In Time

Was also ist die Zeit? – Quid est ergo tempus? – Diese Frage hat schon Kirchenvater Augustins gestellt und seit Anbeginn der Menschheit ist dies eine der grundlegendsten Fragen rund um die menschliche Existenz. Antworten darauf wurden immer wieder gegeben, – und jetzt versucht es der Film „In Time“ vom Regisseur Andrew Niccol. Die Frage nach der Zeit wird in diesem Film jedoch nicht philosophisch beantwortet, sondern sehr direkt und gnadenlos, – Zeit ist Geld und damit die neue Währung, die gilt. Und wie auch in der jetzigen Realität besitzen in diesem düsteren Zukunftsszenario einige wenige Menschen Millionen Jahre, während den meisten Bewohnern nur wenige Tage verbleiben. Aufgrund einer genetischen Revolution hören die Menschheit mit 25 zum Altern auf und es verbleibt ihnen dann noch genau ein Jahr Zeit. Zeit dazu gewinnen kann man nur durch Arbeit, durch das Stehlen der Zeit anderer, durch Mord oder auch durch Erbschaft. Schafft man es nicht nach diesem Jahr mehr Zeit zu erhalten, dann hört das Herz auf zu schlagen und man stirbt. Diese Grundidee ist spannend und wird auch deswegen viele Menschen in das Kino locken. Es ist ein Thriller, wo die Protagonisten immer in Lebensgefahr schweben. Die Uhr am Unterarm zeigt die verbleibende Lebenszeit an und dies führt zu einem ständigen Gefühl der Bedrohung, – vor allem, wenn die Figur nur mehr Sekunden zum Überleben hat. Solch eine intensive Idee wurde schon lange nicht mehr im Kino gezeigt und Andrew Nicool ist nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern auch für das Drehbuch. Zwar gibt es Parallelen zu „Logans Run“ mit Sir Peter Ustinov, aber Inspiration darf man sich durchaus von vergangenen Filmen holen. Die Idee an sich ist allerdings nicht so neu, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Niccols zeigt in diesem Film eine karge, kalte, graublaue Welt, eine reizentleerte, der alle Farben, alles Leben eigentlich entnommen wurde. Dies wird nicht nur in den staubigen Armenvierteln deutlich, sondern später dann auch in den reichen Distrikten, die in ihrer Kälte und Anonymität einer Geisterstadt gleichen. Alles läuft letztlich auf das neongrüne Schimmern des Countdowns auf dem Unterarm hinaus, nur die darauf verrinnenden Jahre, Tage oder nur Sekunden zählen, – alles und jeder fixiert sich auf die Zeit, die noch bleibt. Die Parallelen zwischen dem Gebrauch von Zeit bei „In Time“ und von Geld in der Realität sind erdrückend. Fast als würde der eigene Kontostand auf dem Unterarm tätowiert sein und man genau sieht wie viel Geld dem einen noch verbleiben, während der andere ein kleines Vermögen mit sich herumträgt. Diese Grundidee, die handwerklich großartige und stylische Arbeit des Kameramannes, die ästethischen Bilder und der Spannungsbogen der handelnden Figuren hätten ausgereicht um „In Time“ zu einem großen Film werden zu lassen. Warum dies nicht funktioniert hat, ist wohl letztendlich dem System Hollywood zu verdanken. Denn auch hier zählt nicht die Genialität eines Films, sondern die Einspielergebnisse und irgendwie hatte man das Gefühl, dass der Regisseur unbedingt einen Erfolg landen musste. Darum auch die Wahl der Schauspieler, denn ein Justin Timerlake, der trotz Muskeln und Schauspieltraining so wenig in eine arme, harte Realität passt wie seine Mitspielerin Amanda Seyfried, die dem aktuellen Magerwahn angepasst wie eine leicht verhungerte Barbie wirkt, die eine Flucht aus ihrem verwöhnten Leben sucht und auf der Suche nach neuen Drogen sich dem Thrill des Überlebens hingibt, bedienen deutlich ein sehr junges Mainstream Publikum. Diese Jungdarstelleriege kann die Tiefe und Ernsthaftigkeit der Thematik nicht vermitteln und vermag es auch nicht die seelische Entleertheit der Gesellschaft wiederzuspiegeln. Ähnlich wie Bonnie und Clyde beginnen die Beiden Banken auszurauben und Zeit zu verteilen, lieben und verlassen sich und wirken dabei wie zwei von MTV gecastete Schauspieler, die vor allem ein junges Publikum ansprechen wollen.

Dem großen SciFi-Thriller mit der innovativ-brillanten Idee des letzten Jahres, Christopher Nolans „Inception“, kann dieser Film nicht das Wasser reichen, erreicht auch bei weitem nicht dessen große Komplexität und schafft auch keine erklärenden Ebenen. Denn „In Time“ erklärt im Grunde gar nichts, – verwechselt Interpretationsspielraum zu oft mit inhaltlicher Leere und strapaziert politische Metaphern fast bis zur Unerträglichkeit. So schön „In Time“ anzusehen ist, so dringen die Idee nicht weit bis unter die Oberfläche. Einzig der Zeitpolizist Cillian Murphy schafft es in wenigen Momenten jene düstere Beklemmung darzustellen, in die alle Menschen in diesem Film gefangen sind und vermag auch zu vermitteln, dass er eine weitaus ältere Seele besitzt als sein jugendliches Aussehen vermuten lässt. Das bizarre Detail am Rande von „In Time“ ist die alterslose Gesellschaft, wo alle wie 25 aussehen, Mütter von ihren Töchtern nicht zu verwechseln sind und Männer keinerlei Falten mehr besitzen. Jeder kann sich fragen, ob so die Gesellschaft der Zukunft aussehen sollte.

Die verrinnende Lebenszeit als digitales Leuchttattoo auf dem eigenen Unterarm bleibt auch nach dem Film prägend. Eines wird sehr deutlich, – wie wichtig und kostbar Zeit ist. Und die eigene Lebenszeit jedes Menschen ist die eigentliche Währung des Glücks, – dessen sollte man sich bewusst werden. Eines hat „In Time“ auf alle Fälle erreicht, – es ist ein Film, der Lust aufs Leben, auf den erlebbaren, wunderschönen Moment macht und allein deswegen auch danach noch eine intensive Wirkung besitzt.

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Eine dunkle Begierde

Eine dunkle Begierde widmet sich nicht nur dem Genre des Psycho – und Historiendramas, sondern versucht auch den Vätern der modernen Psychoanalyse ein würdiges Denkmal zu setzen. Zudem zeigt dieser Film eine komplizierte Dreiecksbeziehung  und versucht in Psychoduellen die Hintergründe von Emotionen und deren Handlungen zu erklären. Alles irgendwo zuviel auf einmal, denn eine Dunkle Begierde zerbricht an den eigenen Erwartungen und bleibt als vertane Chance bei all den Möglichkeiten zurück.

Und Möglichkeiten gab es mehr als genug. Regisseur David Cronenberg hatte immer den Hang zu Filmstoffen, welche die Abgründe der menschlichen Psyche darstellten und scheut sich auch nicht davor zurück diese mit drastischen, radikalen Bildern zu zeigen. Ein Kinoästhet, der bei all der Liebe zu schönen Bildern immer auch viel Wert auf die Entwicklung einer Geschichte gelegt und diese mit charismatischen Persönlichkeiten  dargestellt hat.  Bei ihm schien dieser Stoff in den richtigen Händen zu sein. Als Vorlage für den Film diente das Theaterstück The Talking Cure des britischen Autors Christopher Hampton, das 2002 uraufgeführt wurde und zu einem der erfolgreichsten Theaterstücken zählt. Der authentische Stoff um Sigmund Freud und C. G. Jung, den beiden Vätern der Psychoanalyse, und die junge, russische Hysterikerin Sabina Spielrein bietet sich zudem wie geschaffen für einen großen Kinofilm an. Und mit den Schauspielern Viggo Mortensen, der bereits zwei Filme mit Cronenberg gedreht hat, dem noch jungen, aber hochtalentierten Michael Fassbender und der wunderschönen Keira Knightley stand auch noch eine hochkarätige Darstellerriege, die mit Vicent Cassel noch ergänzt wird, dem Regisseur zur Verfügung. Warum dies letztendlich alles nicht gereicht hat, um aus einem engagierten Projekt einen großartigen Film zu machen, hat sicher mehrere Gründe. Der Film scheitert zum einem an seinem mehr als fragwürdigen Anspruch auf Authentizität, noch gelingt es glaubwürdig die Probleme aus der Frühzeit der Psychoanalyse wiederzugeben. Am meisten verfehlt der Film die Wirkung genau bei der Dreiecksgeschichte zwischen Jung, seiner Frau und seiner Patienten, die ihm Geliebte und dann auch die große Liebe wird.

Vorallem Fans von David Cronenberg hatten sicher immer wieder das Gefühl im falschen Film zu sein. Die visuelle Darstellung seelischer Abgründe hat in diesem Film eindeutig gefehlt. Zwar sind die Dialoge wunderbar geschliffen, fein ausgeführt, aber allein die Sprache in verschieden wechselnden Ambiente hauchen diesem Film leider kein Leben ein. Zwar sind auch die Bilder schön fotografiert, aber es fehlen jene verstörenden Aufnahmen, wo man die seelische Pein, das verstörende Begehren der Hauptfiguren erkennen kann. Der ganze Film besaß leider die perfekte und allzu glatte Atmosphäre einer idyllischen Postkarte, – das immerwährend schöne Wetter nervte und schöne Menschen in schönen Kleidern in schöner Umgebung, die selbst mit größter Ästhetik und Zurückhaltung seelische Abgründe, psychische Zerrissenheit darstellten, vermittelten eine Oberfläche, die mit Dauer des Films den Zuseher immer mehr kalt ließ und nicht in die Geschichte miteinband. Was gänzlich vernachlässigt wurde, war die masochistische Neigung der Hauptfigur, die ja immerhin auch Gegenstand ihrer hysterischen Anfälle war und dem Zugeständnis ihres Geliebten doch nachzugeben und ihre devote Natur beim Sex zu befriedigen. Um zu zeigen wie wenig Zeit für die Darstellung sadomasochistischer Praktiken verwendet wurde, -  es gab im gesamten Film nur zwei Szenen, die die den Spannungsbogen zwischen Schmerz und Lust, Demütigung und Hingabe, Macht und Dominanz für wenige Sekunden zeigten sollten, – beide Szenen waren so mit dem Weichzeichner gemalt, dass man eigentlich gar nichts sah, – der Zuseher konnte nur erahnen, dass dies jetzt eine Sadomasoszene war. Vielleicht lag es auch am verunglückten Schnitt, – aber eine Bestrafungsszene zu zeigen und anschließend friedlich im Segelboot über den Zürichsee zu treiben mutet dann doch mehr seicht und oberflächlich an als dunkel und verstörend. Auch jener Schnitt, wo Jung doch wieder Kontakt zu seiner ehemaligen Patienten und Geliebten hatte und sich einverstanden erklärte mit ihr gemeinsam ihre Doktorarbeit zu bearbeiten und dies mit dem Satz unterstrich: „Gut, wir werden uns jede Woche treffen, aber es wird schwer die Distanz zu wahren“, – um gleich anschließend jene Szene zu zeigen, wo die immer ein wenig verhuscht wirkende Keira Knightley  etwas ulkig mit einem  Gürtel ans Bett gefesselt war um von ihrem Doktor ausgepeitscht zu werden, – da hatte man als Zuseher das Gefühl, dass wesentliche Szenen fehlten, – vor allem jene Momente, die gerade diese Emotionen erklären sollten und somit wirkte dies dann eher unfreiwillig komisch und fast schon unglaubwürdig. Auch hatte man als Zuseher das Gefühl, dass sich gerade die zwei Hauptdarsteller Knightley und Fassbender alles andere als wohl fühlten und mit Erotik und gegenseitiger Anziehung zueinander auch so gar nichts anzufangen wussten. Ein wenig wirkte Eine dunkle Begierde so, als wäre dem ganzen Film das Blut abhanden gekommen, – alles wirkte etwas steif, etwas sehr inszeniert und das Bild vom trockenen Gelehrtenpaar Freud/Jung wirkte auch nicht inspirierend und ließ beide als eher langweilige Figuren zurück.

Das Schlechteste an diesem ansonsten klug gemachten, analytischen und teilweise wunderschön bebilderten Film ist eben die Erotik, – denn diese will man sicher nicht so erleben wie dargestellt und von dunkel oder leidenschaftlich war hier nicht viel zu sehen, – aber vielleicht hat auch nur mein Überich mein Unbewusstes in der Wahrnehmung dieses Films blockiert.

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Columbiana – gebrochene Heldin auf Rachefeldzug

Rache  ist oftmals mehr als ein Gefühl, als eine bestimmte Emotion, – Rache kann zu einem beherrschenden Lebensgefühl werden und das Dasein eines Menschen komplett bestimmen. Es gibt Menschen, die haben lange auf jenen einen Tag gewartet, auf den Tag der Rache, der zugleich Erfüllung eines Schwurs und Erlösung ebendiesen sein kann und es gibt Menschen, die an dieser Rache zerbrechen. Rache kann das Ziel eines Leben sein, – und der Tag, wo der Rachedurst endlich gestillt ist, stellt oftmals den Beginn eines neuen Lebens dar oder auch sein Ende. Und genau um diese Dualität dieses beherrschenden Gefühls dreht sich der Film Columbiana, der eine gebrochene Heldin zeigt, der auf ihren Rachefeldzug scheinbar jedes Mittel recht ist, und die mit einer gnadenlosen Härte ihre Ziele verfolgt. Bis zum bitteren Ende.

Rachegefühle hat die Hauptfigur auch berechtigterweise, denn sie muss als junges Mädchen mit ansehen wie ihre geliebten Eltern von den Handlagern eines kolumbianischen Mafiabosses grausam umgebracht werden. Der Gegensatz zwischen der schlimmen Tat und dem noch so jungen, zarten Mädchen, welches noch dazu nach einer wunderschönen Orchidee – Cataleya – benannt wurde, ist Ausgangspunkt dieser Geschichte, wo Luc Besson der Ideengeber war, – die Realisierung aber seinem Kollegen Olivier Megaton überließ. Luc Besson verdanken wir so großartige Filme wie Léon der Profi oder auch Nikita, – und er gehört auch zu jenen Drehbuchautoren und Regisseuren, die sich nicht scheuen eine Frau mit schweren Rachegedanken als Hauptfigur in einem Actionfilm zu setzen und ihrer blutigen Spur zu folgen.

In diesem Fall folgt der Film der erwachsen gewordenen und zur Profikillerin ausgebildeten Cataleya, die ihr Ziel, – die Rache an den Mördern ihrer Eltern, nicht aus den Augen verliert und den schwer zu fassenden Gegner mit gezielten Morden aus dem Versteck herausholen möchte. Der Film Colombiana hat jetzt nicht wirklich das große Screenplay und ein guter Actionfilm sollte niemals die Intelligenz der Zuseher beleidigen. Leider tut dies die Geschichte von Colombiana allzu oft, sodass man nicht nach großer Logik in der Geschichte suchen sollte.  Doch es gibt einige Dinge, die von den Schwächen des Drehbuchs und der Dialoge ablenken, und diese funktionieren einwandfrei. Neben der Action und der eleganten Optik ist dies vor allem der Hauptdarstellerin Zoe Saldana zu verdanken, welche die gebrochene Rachefigur und Killerin mit einer körperlichen Intensität verkörpert, als hätte sie ihr ganzes Leben darauf gewartet mit unübertreffbarer Eleganz und Fitness über die Leinwand zu huschen, schwere Mordgeräte scheinbar leicht zu bedienen oder männlichen Gegnern auch in der Denkweise überlegen zu sein. So schön wie eine blutige Orchidee turnt sie über Gebäude, klettert über Fassaden, verschwindet in Lüftungsschächten, schwimmt durch Haifischbecken und tötet ihre Widersacher gekonnt, schnell und lautlos wie ein Schatten. Selbst beim Showdown kann sie den Bösewicht nur mit ihrer Stimme über Kilometer hinweg töten und liefert dies alles mit einer physische Performance ab, die in ihrer Geschmeidigkeit jeden schwarzen Ninja vor Neid erblassen lassen würde. Die Kamera fängt dabei minutiös jede ihrer akrobatischen Manöver ein und der Zuseher darf dieser wunderschönen, starken, gebrochenen und zugleich verletzlichen Frau selbst bis ins Bett oder unter die Dusche folgen, – eine voyeuristische Kamerafahrt, die immer wieder auch die seelischen Abgründe der Titelfigur einfängt.

Damit hebt sich Zoe Saldana als Actionheldin gerade auch in der Darstellung von intensiven, verletzlichen Momenten und der scheuen Zurückhaltung von einer Angelina Jolie ab, die oftmals zu kühl oder unnahbar wirkt oder auch von einer Milla Jovovich, der die seelische Tiefe einfach in ihrer Darstellung fehlt. Man würde sich also wünschen dieser Figur noch länger zu folgen und ihrem Lebensweg auch nach dem Ende der Rache begleiten zu können. Neben der Hauptfigur verblassen leider andere Darsteller und besitzen nicht genug Raum um ihren Figuren Persönlichkeit und Tiefe verleihen zu können. Neben gekonnten Actionsequenzen, die hart, schnell und rasant geschnitten sind, sorgen einige emotionale Momente dafür, dass dieser Film nicht gleich aus dem Gedächtnis verschwindet. Der Soundtrack und die die Musik untermalen diesen Film gekonnt und einige Songs sind sehr gelungen eingesetzt, – vor allem am Ende der Showdown mit Jonny Cash und seinem Song Hurt. Dieses Lied berührt in Kombination mit den letzten Einstellungen des Films und darum war es nicht verwunderlich, dass im Kino zum Schluss selbst bei einem so harten Actionfilm küssende, ineinander versunkene Paare übrig geblieben sind.

Eines allerdings überrascht, – Cataleya tötet und mordet den ganzen Film hindurch – sie sticht schon mal mit einer Zahnbürsten zu oder lässt Leute von Haien und Kampfhunden zerfleischen, – sie selbst jedoch bekommt wenige Wunden ab. Doch damit ist genau auch die Dualität der Rache gezeigt,  – denn wer ihre Tränen und in ihre Augen blickt, erkennt vielleicht die schweren, seelischen Wunden, die man auf der Oberfläche nicht sieht, die aber dennoch Teile ihrer blutigen Seele bleiben werden. Und diese Wunden verschwinden auch nicht durch all die Racheakte, – wenn überhaupt werden solche Wunden nur durch die Liebe geheilt.

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Once upon a time in the west

Immer noch unerreicht – Sergio Leones Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ gilt für viele nicht nur als bester Film aller Zeiten, sondern markiert auch den Höhepunkt des Westerns, – der seitdem von keinem anderen Film (einzige Ausnahme – „Erbarmungslos) auch nur ansatzweise erreicht wurde und dem hiermit auch eine Hommage gewidmet ist, – umso mehr als die modernen Western – aktuell in den Kinos „Cowboys und Aliens“ – eine filmische Katastrophe nach der anderen abliefern.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Ein grandioser Western, vielleicht der beste aller Zeiten, denn die einzige nennenswerte Konkurrenz wäre ebenfalls von Sergio Leone mit seinem dritten Teil der Dollar Trilogie – „The Good, The Bad and The Ugly“. Dennoch wird kein Cineast an diesem Western vorbeikommen, der jeden Zuseher sofort in die Einsamkeit der heißen Prärie versetzt und Melodien erklingen lässt, die sich tief in die Erinnerung eingraben. Allein die Eröffnungssequenz hat Filmgeschichte geschrieben und markiert dank neuer, filmischer Stilmittel eine neue Epoche in der Filmographie.

“Spiel mir das Lied vom Tod” ist der perfekte Abgesang auf den “American Dream”. Angefangen als Traum von einem Neubeginn, der eine Prostituierte aus New Orleans in die Abgeschiedenheit verschlägt, der einen belächelten Farmer zeigt, der sich ein besseres Leben für seine Kinder erträumt, – bis hin zum Zusammenbruch dieser Träume, schlägt dieser Film den großen Bogen zwischen gesellschaftlicher Kritik und dem persönlichen Spannungsfeld einzelner Figuren. In einer rauen Welt, einer unzivilisierten Einöde, wo Stärkere sich jeglichen Vorteil verschaffen und Schwächeren nur die Möglichkeit verbleibt Einfluss zu kaufen, um sich die eigenen, unerfüllten Träume zu verwirklichen, treffen mehrere Figuren aufeinander, die alle versuchen zu überleben und sich einer harten Wirklichkeit stellen, wo man jederzeit schnell und gnadenlos ins Jenseits befördert werden kann. Mit der schleichenden Industrialisierung kommt der Wandel, – kaltblütige Revolverhelden werden von den neuen technischen Errungenschaften überrollt und mit der Eisenbahn wird auch ein Abgesang auf unerschlossenes Land eingeläutet. Genau dieser Bogen wird hier zelebriert, in seiner ausgekosteten Vielfalt und in seiner poetisch verklärten Anspannung. Sehnsucht, Rache, Enttäuschung und Gewalt bleiben dabei keine leeren Versprechungen, sondern geben sich in einer seltenen, visuell bestechenden Eindringlichkeit zu erkennen. Kombiniert als eine Kette an Gewalt, Pathos, Freundschaft, Verrat und Rache hüllt dieser Film seine Figuren immer wieder in Momente des Wartens ein, – der die Spannung dieses Filmes steigert und zum Schluss in jenem Satz gipfelt – „Einer wartet immer“. In diesem Fall die schöne Claudia Cardinale, die umsonst auf eine gemeinsame Zukunft mit dem Mundharmonika-Mann gehofft hat.

Dieser Film von Sergio Leone ist poetisch bis ins letzte Detail. Fotografisch grandios,  – man könnte jede Einstellung nehmen und als Bild an die Wand hängen. Jede Szene ist durchkombiniert und wird getragen von einem tollen Drehbuch und der grandiosen Musik von Ennio Morricone, der das musikalische Gerüst für diesen Film kombiniert hat. Die Dialoge sind kurz, passend und genial. Die Bilder zeitlos schön und die Besetzung der Figuren mehr als gelungen. Man versinkt in den eiskalten blauen Augen des Bösen, von Henry Fonda gegen sein Image besetzt und gespielt, man folgt der wunderschönen, sinnlich und zugleich starken Claudia Cardinale durch den Film, man möchte das Geheimnis lüften, welches Charles Bronsen als stummer Held mit sich trägt und begleitet kantige, raue Männer durch die Einsamkeit einer Landschaft, die zugleich auch die existenzielle Einsamkeit jedes Individuums veranschaulicht.

Spiel mit das Lied vom Tod ist ein großes Epos, welches durch Musik, Dramaturgie, Darsteller, Bilder und Inszenierung zu Recht zu einem der besten Filme aller Zeiten zählt und als besonderer Klassiker der Filmkunst für ewige Zeiten Cineasten, Schauspieler, Regisseure und Künstler mit seinen Bildern und seiner Musik inspirieren wird.

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The End of Harry Potter

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 ist das epochale Finale eines Kinoereignisses, – der würdige Abschluss von Harry Potter und besiegelt das offizielle Ende der Kindheit vieler Zuseher und auch von mir.

Nach zehn Jahren, acht Filmen und beinahe 20 bezaubernden, unterhaltenden und spannenden Filmstunden ist Harry Potters kinematografische Saga komplett beendet und der letzte Akt in dieser Fantasy-Geschichte ist genauso überwältigend wie die Anfänge der ersten Filmminuten. Wenn nicht sogar ein wenig mehr, – denn wenn man beide Teile des letzten Harry Potters zusammenfasst und sich auch ansieht, dann ist das Finale absolut gelungen und  stellt auch einen der besten Filme unter den sieben Harry Potter Teilen dar.

Der Film bietet viel Dramatik, Spannung und vor allem toll getricksten Actionsequenzen. Die Story sollte Harry Potter Fans bekannt sein, – sicher hat es dem letzten Buch gut getan in zwei Teile verfilmt zu werden, da man sich ansonsten mit den komplexen Handlungssträngen schwer getan hätte. Der Humor ist bei diesem letzten Teil ein wenig auf der Strecke geblieben und auch den kindlichen Grundton der ersten Potter-Filme wird man hier vergeblich suchen. Wie einem Finale angemessen, handelt es sich bei HP 7.2 um den actionreichsten und sicher auch düstersten Potter-Film. Die Schlacht um Hogwarts bietet großes Kino mit viel Emotionen, viel Blut und auch bitteren Verlusten. Gerade hier wird die Entwicklung der Filme und Figuren sehr sichtbar, – wenn in den ersten Filmen von Harry Potter nur Federn zum Schweben gebracht werden,  – gibt es hier große Magie-Kampfszenen mit vibrierenden Zauberstäben, welche die Laserkämpfe eines Darth Vaders gekonnt in den Schatten stellen. Die düstere Grundstimmung wird immer wieder in atmosphärisch dichten Bildern eingefangen und vor allem dank der alten Schauspielergarde wie eines Alan Rickmans als Snape oder einer Maggie Smith als Professor McGonaghal kommt hohes schauspielerisches Niveau auf. Allerdings muss selbst der größte Harry Potter Fan im Laufe des Filmes enttäuscht feststellen, dass Daniel Radcliffe immer noch nicht schauspielern kann und vor allem im finalen Duell mit Voldemort wird dies einfach besonders deutlich. Und genau da leidet auch die filmische Umsetzung,- denn gerade das Duell zwischen Jungzauberer Potter und seinem Erzfeind Voldemort steht der Schlacht um Hogwarts und der Flucht mit dem Drachen aus Gringotts in Sachen Dramatik und Emotion leider nach und kann einfach nicht mithalten. Was auch sicher daran liegt, dass man weiß wie das Buch endet und somit der Schmerz über den vermeintlichen Tod Potters sich ebenfalls in Grenzen hält.

Was ebenfalls etwas verirrt, sind die zahlreichen Auftritte vergangener Figuren. Man spürt das Bemühen des Regisseurs allen Figuren des Buches einen würdigen Abgang zu bieten, aber teilweise sorgt dies für Verwirrung und auch für etwas seltsame Cameoauftritte etwa eines Hagrits, der urplötzlich mitten im Film kurz zu sehen ist und dann wieder ebenso überraschend in den Weiten der Wälder rund um Hogwarts verschwindet. Dennoch zieht HP 7.2 den Zuschauer vor allem in der ersten Hälfte des Filmes gekonnt in seinen Bann und vermag die magische Welt des Buches wunderbar auf die Leinwand transportieren. Visuell besticht dieser Film besonders und vermag jene magischen Momente zu zaubern, die man sich als Fan und Leser der Harry Potter Bücher gewünscht hat. Überhaupt ist es ein Phänomen, dass alle Darsteller vom Anfang bis Ende die Charaktere der Bücher darstellen konnten und somit sind nicht nur die Bücher ein eigenes Universum geworden, sondern auch die Filme konnten hier eine Entwicklung erzählen und der Welt rund um den berühmtesten Zauberlehrling eine filmische Heimat bieten. Der Regisseur der letzten Harry Potter Teile, – David Yates, hat endlich im letzten Film das geschafft, was man sich eigentlich auch bei HP 5 und 6 von ihm erwartet hatte, – großes Kino mit düsteren Bildern, emotionalen Tiefgang und großartigen Effekten, die einem schon den Atem rauben können. In einzelnen Abschnitten kann HP 7. locker mit Herr der Ringe mithalten. Und ähnlich wie die Herr der Ringe Trilogie ist das Ende, – also die letzten Filmminuten von Harry Potter auch ähnlich grandios misslungen. Wie auch beim Ende des Buches spürt man, dass es schwer fällt die lieb gewonnen Personen zu verabschieden und so rettet man sich in letzte Bilder, die einen glücklichen Harry Potter, Hermine und Ron als Familienväter – oder Mütter zeigen. Die Schauspieler wirken dabei schnell für ein Schultheaterstück für Erwachsene verkleidet, – man hat sich auch keine Mühe gegeben die 20 Jahre Altersunterschied zu zeigen und so wirken die letzten Szenen unfreiwillig komisch. Aber so ist es eben – es will niemand wissen was aus den Charakteren und deren klassischer Familienplanungen geworden ist. Aber das ist Kritik auf allerhöchstem Niveau und sollte den tollen Eindruck des letzten Harry Potter Filmes keinesfalls schmälern.

Mit diesem Film ist eine große Reise in die Phantasie zu Ende gegangen – wie auch damals, als das letzte Harry Potter Buch erschienen ist. Über zehn Jahre hat uns diese Figur begleietet und der Abschied fällt schwer – wer da nicht ein paar Tränen vergießt, der ist wohl auch nicht wirklich Teil des Harry Potter Kosmos gewesen.

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Wer ist Hanna ? – Alice im Wunderland mit Blut und Waffen

Es gibt Filme, die vergisst man sofort, wenn man sie gesehen hat und dann gibt es Filme, die zählt man zwar nicht zu den großen Meisterwerken, aber sie bleiben doch lange in Gedanken und Erinnerung haften. So ein Film ist das neueste Werk vom Regisseur Joe Wright, – ein großartig fesselnder Film, der allerdings viele ungelöste Fragen aufwirft, – die man am Besten gar nicht stellen sollte.

Erzählt wird die Geschichte von einem zarten, jungen Mädchen, welches von seinem Vater in den kühlen Weiten der einsamen Wälder Nordfinnlands gnadenlos zu einem Kämpfer gedrillt und ausgebildet wird. Gerade der Gegensatz zwischen der elfenhaften Erscheinung eines blonden Mädchens und der harten Ausbildung inmitten einer menschenfeindlichen Natur zählt zu den ersten und stärksten Eindrücken dieses Films. Der Beginn legt auch die Spur zum Ende und schließt an den Märchencharakter an, der diesem ganzen Film anhaftet.

Der Regisseur Joe Wright hat mit „Stolz & Vorurteil“ eine wunderbar altmodische und bedrückend schön gefilmte Literaturadaption abgelegt, – mit dem Epos „Abbitte“ für große Kinomomente gesorgt und vor allem Keira Knightley zu ihren besten und eindrucksvollsten Rollen verholfen. Er ist ein Regisseur, der sehr gekonnt mit Darstellern umgeht und so ist auch Saoirse Ronan, die man aus Abbitte kennt, bei diesem Film dabei und trägt diesen auch ganz alleine. Wenn Kunst und Literatur auf Action trifft, dann kommt eine sehr eigene und spezielle Mischung heraus und so kann man diesen Film als künstlerisch angehauchten Action-Thriller sehen, der leider seine größten Schwächen in der Geschichte besitzt, allerdings dies visuell so beeindruckend übertaucht, dass man eigentlich darüber auch gar nicht nachdenken möchte.

Was diesen Film trägt, – ist die wunderbare Wahl der Schauplätze und Orte. Kaum ein Film, der so mit den Orten und Landschaften spielt und sie als Teil der Geschichte und des Drehbuchs erscheinen lässt wie dieser Thriller. Beginnend in der kühlen Eiswelt von Finnland, wo die rote Sonne hinter den vielen Seen Tag für Tag verschwindet und ein feengleiches Mädchen mit ihrem Vater in einer mystisch angehauchten Holzhütte lebt, – bis sie ausbricht und sich in den dunklen, düsteren Katakomben wieder findet. Dort bricht sie ebenfalls aus und landet in einer surrealen Wüstenlandschaft, wo sie zum ersten Mal auf Menschen trifft, die es gut mit ihr meinen und ihr ein normales Familienleben, welches sie selbst nie erlebt hat, zeigen. Von der arabischen Wüste geht es in das herunter gekommene Berlin, was gerade Berlin als tollen Schauplatz abseits der Sehenswürdigkeiten und Touristenpfade zeigt. Das Finale schließlich gibt auch das Thema des Films wieder, – denn in einem still gelegten und schon halb zerfallenen Märchen – und Vergnügungspark treffen sich die zwei Hauptfiguren und geben die Einflüsse der Gebrüder Grimm auf diesen Film besonders stark wieder.

Die kontrastreichen Schnitte aus gleißender Helligkeit und mitternachtsblauer Dunkelheit, die ständig sich ändernden Locations, die grau-metallische Struktur der Bunker und die schnellen Actionsequenzen zeichnen diesen Film sehr aus. Das Spiel mit avantgardischen Mitteln und langsamen Nahaufnahmen von Gesichtern wechselst sich ab mit pulsierender Action mit kristallklarer Intension und einer Schnelligkeit, die wie Blut durch diesen Märchenfilm zu fließen scheint. „Wer ist Hanna“ ist ein modern gestalteter Märchenthriller mit brillanten Action Choreographien, die zu den Besten zählen, was man seit langem im Kino gesehen hat und die auch von einem eindringlich, psychodelischen Sound der Chemical Brothers unterlegt werden.

Die Darstellerin des jungen Hit Girls besitzt eine ehrliche Intension, die sie gekonnt auf die Leinwand bringt und diesen Film auch trägt, – Eric Bana ist leider unterfordert und kann sein schauspielerisches Können nur bedingt zeigen wie auch Cate Blanchett, die allerdings ihre Rolle mit einer perfektionistischen Kälte anlegt und ausgestattet hat, dass man sich wünschen würde diese böse Hexe öfters in einem Film zu sehen.

Wer sich auf diesen Drogentrip in Musik und Bildern einlässt, wird ein tolles Filmerlebnis haben, – zu empfehlen an alle Cineasten, die eine Freude mit außergewöhnlichen und surrealen Filmexperimenten haben und sich gerne auch überraschen lassen ohne die Sinnfrage allzu groß zu stellen. Dass der Film nicht vollends als Meisterwerk zündet, liegt vielleicht auch am Fehlen einer finalen Erfüllung. Der Drang, alles zum Guten wenden zu wollen, ist ein trauriges Märchenklischee. Doch manchmal sind Klischees nötig, um besonders in Märchen die Heldin und ihr Gefolge nicht gebrochen zurück zu lassen – und damit den Zuschauer selbst, der an diesen Bilderrausch und an diese Alice im Wunderland mit Waffe und Blut noch lange zurückdenken wird.

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DVD-Tipp des Monats – Monsters

Diesmal kommt hier statt einer Filmempfehlung ein Tipp für eine wirklich gute DVD. Denn momentan wird das Kino von einer wahren Fortsetzungsflut überschwemmt und auch, wenn man selbst viele der Filme, die fortgesetzt werden, sehr mag wie Hangover, so ist es doch erstaunlich und irgendwo bedrückend, was da an Fortsetzungen für das Jahr 2011/12 noch in die Kinos kommen wird: Resident Evil V wird gerade gedreht, – die Zombiejagd geht also munter weiter, Mission Impossible IV kommt im Herbst in die heimischen Kinos (wahrscheinlich deswegen, weil Tom Cruise keine anderen Filmprojekte hat, darum muss jetzt der Zuseher leiden), ebenso wie Die Hard 5 (nichts gegen Bruce Willis, aber er dürfte dasselbe Problem haben wie Tom Cruise), Superman, der wievielte auch immer, – wahrscheinlich setzen die Studios darauf, dass irgendeine Supermanverfilmung schon Erfolg haben wird, um dann die Fortsetzungen drehen zu können, Batman 3, wobei es sich hier zumindest um die Batmanreihe von Regiegenie Christopher Nolan handelt, Fluch der Karibik 4 – die Piraten sind wieder los und werden auch so schnell nicht von der Leinwand verschwinden, – Teil Fünf ist schon fixiert, The Hangover 2, Kung Fu Panda 2 – damit auch die Kinder brav ihr Geld an der Kinokasse abgeben, Transformers 3 – Supertrash lebt eben ewig, der zweite Teil des letzten Teiles von Harry Potter, wobei Harry Potter ja nicht tot ist und zumindest die Hoffnung von Seiten der Studios lebt, dass Harry Potter dann noch heiraten darf, Familie gründet und Horkruxe aus sich selbst fertigt, Final Destination 5 – der Tod ist leider nicht tot zu kriegen und so weiter und so fort – man könnte noch so viele andere Filme anführen und nach dem Erfolg von Fast & Furious Teil 5 wird es sicher auch einen 6 geben. Erfolgreiche Filme in eine endlos Warteschleife zu setzen ist der neueste Trend aus Hollywood und viele sind James Cameron immer noch böse, dass die Titanic wirklich untergehen musste, – immerhin kann er jetzt seine Fortsetzungen mit Avatar drehen.

Es gibt kaum mehr wirklich eigenständige Filme, die eine großartige, ungewöhnliche Geschichte zum Ausgangspunkt ihrer Handlung nehmen. Die Zeit der tollen Erzählungen und Romane, die einst Shakespeare und andere große Literaten geschrieben und die vom Kino dann auf die Leinwand gebannt wurden, scheint vorbei zu sein. Und doch gibt es immer wieder inmitten der ganzen Massenware kleine Genreperlen zu entdecken, reine Filmjuwelen, die noch unverbraucht sind und alles bieten, was das Kino, den Film groß gemacht hat. Und dazu zählt für mich „Monsters“, der sicher zu den Überraschungen des vergangen Jahres zählt und mittlerweile aufgrund seiner faszinierenden Andersartigkeit zu den besten Independentfilmen der letzten Jahre zählt. Neue Filmemacher stehen oft vor unlösbaren Problemen, – wie sich durch Hollywood und all die aufwendig großen Produktionen durchsetzen und es zu schaffen mit geringen Mitteln dennoch ein breites Publikum zu begeistern ? Jungregisseur Gareth Edwards beantwortete diese Frage wahrhaft meisterlich und realisierte mit einem geringen Budget von ca. 200 000 Dollar, wobei einige Quellen sogar von nur 15 000 Dollar sprechen, einen beeindruckenden Kinofilm, der gekonnt mit den verschiedenen Genres des Alien-Invasions-Thema, des Thrillers und Roadmovies spielt. Zwar ist „Monsters“ an die halbdokumentarischen Filme wie „Cloverfield“ angelehnt, aber findet doch seinen eigenen Stil und Ausdruckweise sich dem Thema Alien – Mensch anzunähern. Die namensgebenden Monster bleiben während der meisten Zeit nur bedrohliche Schatten und erzeugen dadurch eine unheimliche Spannung, die sich den ganzen Film durchzieht.

Die Geschichte beginnt im Jahre 2015, wo durch den Absturz einer Nasa Raumsonde außerirdisches Leben auf die Erde gelangte und sich seither im Norden Mexikos ausbreitete. Jene Gebiete, wo sich diese fremde Lebensform befindet, werden als „infizierte Zone“ bezeichnet und sind militärisch abgeriegelt. Die Grenzgebiete rund um diese verbotene Zone erinnert an Kriegsschauplätze, – denn das US-Militär bekämpft die anfangs nur schemenhaft erscheinenden, krakenähnlichen „Monster“ mit allen Mitteln um ein Eindringen in amerikanisches Gebiet zu verhindern. Geprägt von der digitalen Handkameraästhetik konzentriert sich der Film nach einer kurzen Einleitung voll und ganz auf die beiden Hauptcharaktere. Der Fotograf Andrew versucht in diesem Krisengebiet spektakuläre Fotos zu machen und bekommt aber von seinem Chef eine andere Aufgabe, – er soll seine Tochter wieder sicher nach Amerika zurückbringen. Beiden bleibt wenig Zeit mit der Ausreise und der Film gewinnt an Dichte und Spannung spätestens, wenn sich Samantha und Andrew in die Quarantänezone wagen und sich ihnen die Pracht des mexikanischen Hochlandes offenbart. Nach dem Betreten in diese infizierte Zone fällt dem Zuschauer die Andersartigkeit des Films auf und es entsteht eine sehr eigene und intime Reise in ein quasi verbotenes Land. Ein Land voller Geheimnisse, die durch die schwelgerische Schönheit der surrealen Landschaft unterstrichen werden, die Kamera gewährt dem Zuseher selten gesehene Bilder, welche die Schönheit und gleichzeitig dem Verfall dieses Landes zeigen und schon lange nicht mehr in Kino gesehen wurden. Während der verbotenen Odyssee durch die Zone kommen sich nicht nur beide Figuren näher, sondern der Film zeigt sich von einer sensiblen Selbstfindung, Hinterfragung der eigenen Lebensweise und des Weltbildes. Der Schrecken und das Staunen, welche das Paar in der fremdartigen Welt erlebt, wird für den Zuseher so spürbar als wäre er selbst Teil dieser Reise. Die Gefahr ist aber immer anwesend und zwischen all der Schönheit der Landschaft bewegen sich die Figuren in einem unwägbaren Katastrophenszenario, wo Tod und Verderben lauern.

Das Ende des Films ist großes Kino. Und offenbart damit, was dieser Film eigentlich aussagen wollte, – „Monsters“ ist kein Film über Monster oder Außerirdische, sondern über Menschen auf die Suche nach sich selbst – das wirklich Fremde ist immer noch das eigene Ich, – und keine Landschaft fremder als die eigene Seele.

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The Mechanic – Harter Actionfilm mit viel Coolness

Das Genre des Actionfilmes hat es momentan nicht leicht, – es wird zwischen ultrabrutalen Horrorfilmen wie Saw und dem jetzt neu herausgebrachten vierten Teil der Scream Reihe und leicht mystisch angehauchten Thrillern wie Ohne Limit ein wenig aufgerieben. Und mit großen Gefühlen wie im magisch schön gefilmten Liebesfilm „Wasser für die Elefanten“ kann ein Actionfilm natürlich auch nicht punkten, denn Gefühle werden, wenn überhaupt, nur sehr sparsam eingesetzt. Und neben Massenware wie den Fast & Furios endlos Teilen und von Computertechnik dominierten Filmen wie Sucker Punch, die ohnehin mehr zu den Fantasyfilmen zählen, muss sich ein Actionfilm ebenfalls  behaupten können. Ohne jetzt das Genre neu erfinden zu müssen, wäre ein neuer Impuls für den Actionfilm dringend notwendig und genau das liefert „The Mechanic“ vom englischen Regisseur Simon West ab – dieser Film wirkt wie eine dringend benötige Blutzufuhr und somit lebt der Actionfilm wieder neu auf dank hervorragender Besetzung, kluger Story und natürlich jeder Menge Explosionen und harter Mann gegen Mann Kämpfe.

The Mechanic ist ein Remake des Filmes „Kalter Hauch“ mit Charles Bronsen aus dem Jahre 1972, wobei das Drehbuch abgeändert und mit den modernen Elementen klassischen Erzählkinos versehen wurde. In der Neuverfilmung dominieren atmosphärische Bilder voller Einsamkeit und Isolation, die den harten, gnadenlosen Job des Auftragskillers zeigen, unterlegt von harter Action, souveräner Coolness, wo man dennoch als Zuseher auch die existenzielle Angst der Hauptfigur zwar nicht spüren, aber erahnen kann. Die Story dreht sich um die Figur des einsamen Profikillers Arthur Bishop, der seine Aufträge präzise, genau und kühl wie eine Maschine erledigt. Ein soziales Leben existiert nicht, es gibt weder Familie noch Freunde, dennoch lässt es sich aber der Profikiller in diesem Film gut gehen. Er wohnt  in einem wunderschönen Haus, welches sehr stilvoll gebaut ist und im Süden Amerika liegt. Im Gegensatz zu seinem harten Job zeigt er allein im Ambiente des Hauses eine Vorliebe für schöne Einrichtung, elegante Möbel und die Liebe zur klassischen Musik. Natürlich bleibt alles im Bereich der männlichen visuellen Welt, – es taucht immer wieder eine nackte schöne Frau auf, mit der der Killer heißen, wortkargen Sex erlebt (dabei handelt es sich um das Exmodel Mini Aden, der in der Tat sehr schön anzusehen ist) und in der Garage steht ein toller, seltener Oldtimer, an dem die Hauptfigur schon zwei Jahre gebastelt hat. Diese perfekt kühle Welt wird unterbrochen als Bishop den Auftrag erhält seinen Mentor und einzigen Freund zu killen, der angeblich ein Verräter ist. Ohne allzu viele Fragen zu stellen, füllt er auch diesen Auftrag aus und wird erst im nach hinein vom schlechten Gewissen geplagt. Dies führt ihn nun zum Sohn des Mentors, – einer gebrochenen, tragischen Gestalt, deren Lebensweg durch Drogen in eine negative Richtung gelenkt wurde. Doch Rache kann ein sehr starkes Gefühl sein und Rache dominiert auch beide Hauptfiguren. Der Sohn möchte den Mörder seines Vaters rächen und lernt das Handwerkszeug des Profikillers von Bishop, während dieser erfährt, dass er einer Intrige zum Opfer gefallen ist und nun beginnt die Hintermänner zu jagen, die für den Tod seines Freundes verantwortlich sind. Doch im Grunde ist dies nur die Nebenhandlung, denn die Freundschaft dieser beiden Männer wird durch das dunkle Geheimnis überschattet, dass der Lehrer des Schülers ja auch der Mörder des Vaters ist.

Wie die Geschichte endet, ist raffiniert gemacht und bietet so einiges an Überraschungen. Überhaupt wird der Zuseher vom Regisseur immer wieder auf falsche Fährten geführt und so bleibt die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Die Lust an der Gewalt ästhetisiert Regisseur Simon West durch Zeitlupen herumfliegender Autos, zersplitternder Fensterscheiben und großartiger Explosionen. Auch der Kampf Mann gegen Mann ist schnell und rasant geschnitten, hier wird geblutet, geschwitzt und gestorben auf intensive Art und Weise. Die Kamera ist immer ganz nah dran und bleibt, außer bei den statischen Nahaufnahmen der Gesichter, wie die ruhelosen Helden immer in Bewegung. Das Ganze ist von einem coolem Soundtrack unterlägt, der stellenweise eine Referenz zu den Western gerade von Sergio Leone darstellt. Überhaupt muss man festhalten, dass Jason Statham diesem Film sehr gut tut, denn sein ruhiges, bewegungsloses Gesicht, wo man die Emotionen dennoch erahnen kann, trägt immer wieder tolle Einstellungen und seine physische Präsenz verleiht dem Film coole Schauwerte. Ben Forster spielt die Rolle des unberechenbaren, von seiner Wut und Rache getriebenen verlorenen Sohn überzeugend und sehr intensiv und Donald Sutherland freut man sich immer wieder auf der großen Leinwand zu sehen.

Dieser Film ist ein Spektakel aus Gewalt, Geschwindigkeit und Körperkult, mit eleganten Bildern und einigen sehr ruhigen Stellen, wo man die Ruhe und Einsamkeit des Killers besonders deutlich spürt. Dieser Film ist modern, oftmals videoclipartig geschnitten und weist dennoch mit der Figur des einsamen Helden eine Neuinterpretation zu. Denn im Gegensatz zu den Figuren des Killers wie im Klassiker des Genres „Ein eiskalter Engel“, wo der Killer genauso gefühlkalt ist wie die düstere Umgebung oder ein gebrochener Held, der mit Medikamenten seinen Job erledigen muss um dies alles auch auszuhalten, wie von Charles Bronson im Original dargestellt, – ist die moderne Figur des einsamen Helden weder gebrochen, noch unglücklich noch eiskalt. Wortkarg und sicher ein Einzelgänger, aber zufrieden mit diesem Leben und vor allem natürlich eines – sehr sehr cool.

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The Fighter – Oscargekröntes Boxerdrama

Dieser Film ist wie ein Faustschlag, – direkt und radikal und gleicht mehr einer harten Milieustudie als einem Boxerdrama.

Boxfilme haben in Hollywood eine lange Geschichte und in diesem Genre finden sich solche Meisterwerke wie “Rocco und seine Brüder” von Visconti, wo ebenfalls der Bruderkampf zwischen zwei ungleichen Brüdern Thema des Filmes ist bis hin zum Oscarfilm aus dem Jahre 2004 von Clint Eastwood „Million Dollar Baby“. Es gibt immer wieder Boxfilme, die sowohl Massen begeistert haben wie „Rocky“ oder ein Publikum jenseits des Mainstreams ansprachen. „The Fighter“ wird wohl seinen Platz irgendwo in der Mitte finden. Für den ganz großen Wurf, für jenes Meisterwerk in der Boxgalerie der Filme fehlt es ihm an den großen, magischen Kinomomenten. Viel interessanter als der Film selbst ist eigentlich die Vorgeschichte zu „The Fighter“.

Denn diesem Film ging eine lange Vorgeschichte voraus und sein Entstehen hing viele Jahre an einem seidenen Faden. Bratt Pitt hatte gleich in Runde 1 aufgegeben ebenso wie Matt Damon, – selbst Regisseure, die Herausforderungen lieben wie Darren Aronofsky („Black Swan“) hatten bei diesem Filmprojekt aufgegeben. Der einzige, der an diesen Film und seine Geschichte geglaubt hat, war der Schauspieler Mark Wahlberg, offenbar die einzig echte Fighternatur, – auch im realen Leben. Und so steht und fällt dieser Film stark mit der Figur von Mark Wahlberg, der hier als einziger Darsteller echte Kampfatmosphäre und die Willenskraft und Anstrengungen dieses Sportes deutlich machen kann. Zwar erhält er Unterstützung durch viele namhafte und durch Oscars ausgezeichnete Schauspieler wie den abgemagerten Christian Bale, der für die Rolle des älteren, cracksüchtigen Bruders Dicky einen schon längst überfälligen Nebenrollenoscar bekam, durch Melissa Leo, welche die proletarisch kämpferische Mutter der beiden Brüder darstellt und für diese Rolle ebenfalls mit einem Nebenrollenoscar ausgezeichnet wurde und die bezaubernde Amy Adams, die an diese Rolle vollkommen uneitel heranging und die am Leben gescheiterte, aber intelligente Frau an der Seite von Wahlberg spielt und für einige sehr berührende Momente sorgen konnte. Die treibende Kraft in diesem von vielen tollen Schauspielern getragenen  Film ist aber die Figur des Mark Wahlbergs, dessen Blick allein oft Verlorenheit wie Mut zum Neuanfang und Kampfkraft zeigt. Ihm gilt die Sympathie und ihm folgt man durch diesen Film, der mit seinem schonungslosen Blick auf ein tristes Arbeitermilieu auch sehr deutlich den Abstieg des älteren Bruders zu einem Drogenwrack zeigt.

In diesem Film wird nichts beschönigt, wird geschwitzt, gekämpft und dann auch wieder großartig geboxt. Bei den Kämpfen wird der Zuseher in den Ring getragen und bekommt jeden Boxschlag fast selbst ab, so genau und detailliert sind die Boxkämpfe aufgenommen. Dass letztendlich der große Erfolg des jüngeren Bruders mit dem Zusammenhalt des älteren Bruders einhergeht, ist die schöne, lebensbejahende Botschaft dieses Filmes, der intensiv vom harten Leben einer Arbeiterfamilie und insbesondere des Schicksals der beiden Brüder erzählt.

Dennoch bleibt der harte und dennoch sensible Blick Mark Wahlbergs in Erinnerung, – seine Leistung in diesem Film ist es nicht nur diesen Film überhaupt zustande gebracht zu haben, sondern jene Kinomomente zu erzeugen, wo man gebannt auf die Leinwand blickt und ganz und gar aufgeht in der Geschichte und der Figur. Dies hat Wahlberg schon oft bewiesen, bei „The Fighter“ ganz besonders und damit hat er sich als Schauspieler endgültig bewiesen.

Er trägt diesen Film, – ganz ohne Oscar.

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Das Filmhighlight 2011 – Black Swan

Black Swan ist eine Mischung aus Horror und Schönheit und eine Hommage an die zerbrechliche Schönheit des Balletts.

Kein Oscar war dieses Jahr mehr verdient als der für Natalie Portman für ihre Darstellung der Balletttänzerin Nina, die in ihrer Obsession für Perfektion alle Grenzen überschreitet und zum Schluss sich selbst für die vollkommene künstlerische Darbietung opfert. Wie die Figur so ist auch dieser Film eine Gratwanderung zwischen verschiedenen Genres und ästhetischer filmischer Umsetzung. Black Swan ist eine gewagte Kombination aus Ballett, Drama und Psychothriller und vermittelt dank seines hervorragenden Ensembles an Darstellern und der wunderschönen Musik aus Schwanensee ein intensives filmisches Erlebnis.

Alles dreht sich um den Spitzentanz im Leben der Tänzerin Nina, die zu den besten Balletttänzerinnen New Yorks zählt. Jeder Tag ist bestimmt vom schonungslosen Drill und ehrgeiziger Disziplin um den Traum eines Tages als Star auf der großen Ballettbühne zu stehen näher zu kommen. Und der Durchbruch ist da, als sie den weißen wie auch den schwarzen Schwan aus dem Ballett Schwanensee verkörpern soll. Wobei ihr der von ihr verehrte und begehrte Choreograph, intensiv und erotisch verkörpert von Vincent Cassel, die unschuldige Perfektion des weißen Schwanes zutraut, nicht aber die leichte Verführungskunst des schwarzen Schwanes. Er zwingt sie ihre dunkle Seite zu entdecken und sich selbst fallen zu lassen um der Selbstkontrolle und auch der Kontrolle ihrer strengen ehrgeizigen Mutter zu entgehen. Hilfe erfährt Nina dabei von ihrer lebenslustigen Mittänzerin Lily, die sich sehr um ihre Freundschaft bemüht. Doch was ist wahr und was ist Schein ? – Ist Lily gar nicht ihre Freundin, sondern versucht sie ihr die Rolle wegzunehmen ? – Warum versuchte sich die verdrängte Primaballerina Beth das Leben zu nehmen ? – Je mehr sich Nina quält und zugleich ihre erotische Seite entdeckt, desto tiefer fällt sie in einen Bilderreigen aus Wahn und Wirklichkeit, wo selbst der Zuseher nicht mehr weiß, was real ist und was nicht.

Black Swan verlangt den Nerven der Zuseher einiges ab und verzaubert ihn zugleich mit faszinierenden Bildern. Wie in der Welt von Nina, so verschwimmt auch in diesem Film Schönheit mit Schmerz, die gnadenlose Schinderei des eigenen Körpers mit der Leichtigkeit des zerbrechlichen Spitzentanzes. Wobei der Regisseur Aronofskys bei all der künstlerischen Anmut des Ballettes auch die Schattenseiten in Form von physischen Details zeigt, – hinter weißen Spitzenschuhen bluten geschundene Zehen, eingerissene Nägel und harte Disziplin lassen nur erahnen welch Strapazen die Tänzer auf sich nehmen um den Tanz mit schwebender Leichtigkeit auf die Bühne zu bekommen. Gefangen in ihrem Wahn beide Schwäne so perfekt wie möglich zu tanzen, treibt Nina ihre Selbstzerstörung voran und der Zuseher folgt ihr in jeder Einstellung, in jedem Kameraschwenk, folgt ihr bis zum grandiosen Finale, wo in der Aufführung von Schwanensee es Nina gelingt ihre zwei Schwäne tatsächlich perfekt zu tanzen. Auch, wenn es auf Kosten ihres Leben ist, – der Traum der Perfektion wurde Wirklichkeit. Genauso wie der letzte Satz kann man dies auch auf den Film umsetzen, – Black Swan ist in jeder Hinsicht perfekt. Von der Geschichte angefangen, die alle klassischen Elemente eines Dramas und Thrillers besitzt, zur Besetzung, die gekrönt ist mit einer fantastisch aufspielenden Natalie Portmann, der Musik, die jeden Zuseher sofort in das Ballett ziehen wird, bis hin zur Ästhetik, wo die Unschuld in Form des weißen Schwanes mit der verruchten Erotik des dunklen Schwanes sich vermischt. Ein genialer Film bleibt nicht nur für zwei Stunden in der Erinnerung, er inspiriert und überträgt seine Elemente auf den Alltag. Und so trägt man in der Mode wieder die feine Spitze der Balletttänzerinnen, – noch nie sind so viele Menschen in das Ballett gegangen und der schwarze Schwan erscheint als Modeikone auf vielen roten Teppichen.

Das Kinojahr 2011 könnte hier auch enden, – hier bei Black Swan, denn etwas Schöneres, Verführerisches mit soviel Abgrund und Intensität an Geschichte und Bildern wie dieser Film wird es dieses Jahr im Kino wohl nicht mehr so schnell geben.

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