The Grey – Unter Wölfen

Mit diesem Film ist Regisseur Jo Carnahan eine kleine Kinosensation gelungen. „The Grey“ ist ein Film aus dem Morituri-Genre, – Todgeweihte kämpfen isoliert, fernab der Zivilisation, ums Überleben und kämpfen vor allem gegen die eigenen Ängste. Die Geschichte des Films ist rasch erzählt. Ein Flugzeug, welches eine Gruppe von Arbeitern von ihrer Ölbohrstation wieder zurück in die Heimat bringen soll, stürzt in den weiten Alaskas ab. Wenige überleben das Unglück und sehen sich einer unwirklichen Landschaft ausgesetzt, wo Hunger und Kälte nicht das einzige Problem sind. Eine Horde von Wölfen hat sie gewittert, die Überlebenden befinden sich in ihrem Jagdgebiet und die Tiere haben die Spur von ihnen aufgenommen, eine Fährte aus Angst und Blut. Anfangs sind die Wölfe nichts als kleine Augenpunkte in einer schaurigen Finsternis, später erscheinen sie groß und mächtig auf der Leinwand. Eine jener Szenen, die man wohl nicht vergessen wird, findet unmittelbar nach dem Absturz statt. Ottway entdeckt einen Freund im Flugzeug liegend, schwer verletzt, – er wird verbluten. „Du wirst sterben“, sagt er zu ihm, aufrichtig und schonungslos ehrlich, „aber ich werde dir helfen hinüberzukommen. Wen liebst du am meisten, – hol dir diese Bilder, diese Figuren her, denn diese sollen dich drüben in Empfang nehmen.“ Diese Szene allein ist eine berührende und selten gesehene filmische Anleitung zum Thema Sterbehilfe.

Ohne Plan und Ziel folgen die Männer Ottway. Liam Neeson spielt ihn mit einer natürlichen Führerschaft, die Respekt einfordert und Rebellion provoziert. Die Männer vertrauen ihm, weil er die meiste Erfahrung besitzt und selbst ein Jäger ist, – es war sein Job, das Umfeld der Stationen gegen die Angriffe der Wölfe zu sichern. Die Ironie ist, dass einer, der des Lebens müde war, nun zum Anführer einer Gruppe wird und verbissen versucht alle am Leben zu erhalten. Womit Ottway vor allem Erfahrung hat, ist der Tod. „Don’t be afraid“, diese Worte hat seine Frau immer zu ihm gesagt. In Rückblenden und Erinnerungen sieht er seine Frau immer wieder vor sich, – sie unheilbar an Krebs erkrankt, er untröstlich vor Schmerz und Sorge. Die Beziehungen, die Kommunikation der Lebenden und der Toten, das ist eines der großen Themen in diesem Film. Dies manifestiert sich am Abschiedsbrief, welchen Ottway am Tag vor dem Flugzeugabsturz an seine Frau geschrieben hat, – einzig ein Zufall verhindert, dass sich der lebensmüde Mann mit einer Gewehrkugel selbst von seinem Leiden erlöste. Er hatte den Lauf schon gegen den Mund gedrückt, ausgerechnet das Heulen eines Wolfes hielt ihn davon ab. Dieser Brief taucht im ganzen Film immer wieder auf, – zusammengeknüllt, zerknittert und schmutzig in den groben Händen von Liam Neeson, einem Mann, gezeichnet vom tragischen Verlust. Der ganze Film ist um ihn herumkomponiert, ihm gehören auch die stärksten Momente.

Neben großartigen Schauspielern überzeugt der Film mit seiner atmosphärisch dichten Inszenierung und der atemberaubenden Kulisse Alaskas. Die Wildnis, die Herrschaft der Kälte scheint direkt von der Leinwand in den Kinosaal zu reichen, man meint, dass nasse Holz riechen zu können und immer wieder ist der Zuseher ganz nah an den harten Männergesichtern dran, die um das eigene Überleben kämpfen. Vor allem dem Gesicht von Liam Neeson kommt man so nahe, dass es einen fast schon unangenehm berührt, natürlich auch wegen der nicht zu verdrängenden Überschneidung von Film und Leben. Neeson selbst verlor auf tragische Weise seine Lebensliebe, die umwerfende Schauspielerin Natascha Richardson. Ihn hier nun einen ganzen Film lang zu sehen, wie er einer im Film unwirklich engelsgleichen Frau nach trauert, mit an Selbstaufgabe grenzender Verzweiflung, das geht nahe und verleiht diesem harten Film zusätzlich noch eine Tiefe, die  seinesgleichen sucht. Auch die Wölfe sind immer gefährlich nahe, – hungrige Killer, die in ihrem animalischen Instinkt überwältigend tödlich sind. Dazu der Winter, die Kälte. Der Zuseher wird von einem unwirklichen Gefühl ergriffen, dass der brutale Tod unabwendbar scheint, – nicht nur für die Darsteller in diesem Film, sondern für jede menschliche Existenz. Die Übergänge zwischen Leben und Tod sind fließend, die Bilder prägen sich ein. Der geisterhafte Winter. Einsames Schweigen. Eine unendliche Weite zeichnet die Landschaft aus und jeder Schritt in diesem glänzend filigranen Weiß zeigt die schreckliche Schönheit der Natur, wo die Zeit alles einzufrieren scheint. Das seidene Gewebe des Schnees liegt wie ein düsteres Leichentuch über einer trügerischen Leere und bedeckt die wenigen sturmgebeugten Bäume. Die Kälte zerschneidet die Haut wie Messerklingen, sticht hinein mit vergifteten Nadeln und verbrennt sie wie Feuer. Der Film zeigt den Winter als das kälteste aller kalten Ungeheuer.

Zwar würden normale Menschen mit nasser Kleidung im Winter wahrscheinlich an Unterkühlung sterben, Liam Neeson läuft sich hingegen damit einfach warm, doch wer sich angesichts solcher Szenen aufregt, dem sei gesagt, dass es sich hier um einen Kinofilm und keine BBC-Reportage handelt. Wer eine Dokumentation sehen will, ist bei einem Spielfilm völlig falsch und daher sind Kritiken, die auf mangelnden Realismus in der Darstellung der Wölfe oder im Überlebensdrama abzielen, einfach nur fehl am Platz.

„The Grey“ verzichtet bei aller Tiefgründigkeit auf jegliche Form von Sentimentalität und dies ist vor allem Hauptdarsteller Liam Neeson und Regisseur Jo Carnahan zu verdanken. Mit Regisseur und Hauptdarsteller haben sich auch zwei wandlungsfähige Menschen getroffen, – Joe Carnahan gilt als Regie-Chamäleon, der bekannt dafür ist verschiedene Genres neu zu interpretieren und der jetzt mit „The Grey“ sicher seinen eindringlichsten und härtesten Film vorgelegt hat. Kaum zu glauben, dass von ihm der sinnfreie Action-Unsinn „Das A-Team“ stammt, welchen er ebenfalls mit Liam Neeson in der Hauptrolle gedreht hat. Auch Neeson ist bekannt für seine große Wandlungsfähigkeit, aber diese Rolle scheint für ihn mehr zu sein, – er füllt sie mit echtem Leben und wahren Erinnerungen aus. Gedreht wurde auch in keiner Studiokulisse, weder Schnee noch Landschaft wurden digital nachbearbeitet. Man sieht den Darstellern die Kälte und Leere, die Erschöpfung und existenzielle Grenzerfahrung an, in der sie agieren. Der Film ist fast schon philosophisch angehaucht, – behandelt eine Philosophie, die aus der Existenz kommt, wo eine Einheit von Handeln und Denken entsteht und eine Rückführung auf wenige Werte, wenige Gefühle, letztendlich auf Eros und Thanatos, Liebe und Tod stattfindet. Ein Western im Schnee, – ein existenzielles Drama mit Endzeitstimmung, ein Survival-Thriller, nüchtern, archaisch und philosophisch zugleich und ohne jegliche Illusion.

Jede Einstellung in diesem Film besitzt ihren eigenen Rhythmus und Sinn, – gleich zu Beginn wird ein düsterer, zynischer Grundton im Film etabliert und es offenbart sich eine bittere Sicht auf die menschliche Gesellschaft, wenn nicht auf die menschliche Natur selbst. In der abgelegenen Bohrstation in Alaska herrscht das Recht des Stärkeren, doch gerade die gnadenlose Härte erweist sich später im direkten Duell mit den Wölfen als vollkommen nutzlos. Anfangs besitzen die Szenen etwas von einer fürchterlichen, aber durchaus gerechten Rache der Natur für menschliche Anmaßung und Arroganz. Die Attacken der Wölfe werden sehr direkt, ganz nah an der Kamera inszeniert, meist im Dunklen, um dem Zuschauer bewusst die Orientierung zu nehmen. Diesen nächtlichen Aufnahmen setzt der Regisseur immer wieder majestätische Landschaftspanoramen des tief verschneiten Alaskas entgegen, was in jener berührenden Gänsehautszene endet, in der sich ein verletztes Mitglied der Gruppe aufgeben will und bei einem phänomenalen Blick auf die betörend schöne Weite sterbend zurückgelassen wird. Das Bild zeigt ein raues Felsenbett. Kreislauf des Wassers. Und wie ein stummer Wächter erhebt sich ein Berg über einer Ebene, die so schön, so kühl daliegt wie ein blasser Morgen im Frühling noch durchhaucht von Winterkälte. Diese kraftvolle Einstellung ist wunderschön und dennoch tief bedrückend, – in diesem Moment erhält die (selbst-)zerstörerischen Art des Menschen einen Trauerrand und emotionale Erdung.

Dieser Film erzeugt eine Intensität wie ganz wenig Anderes in diesem an Intensität nicht gerade armen Kinojahres. Zum Schluss fügt sich alles perfekt zusammen, man bleibt zurück mit einem unwirklichen Gefühl, – der Schnee, die Kälte, die Trauer, der Tod, die Liebe – dies bleibt noch lange haften, dies schüttelt man nicht einfach ab.  - Habe keine Angst, – ist eine der essentiellen Botschaften des Filmes. Bei all dem Schrecken, dem Tod, der Kälte, sollte man keine Angst vor dem Abgrund, der Einsamkeit, der Verzweiflung, vor dem Nichts haben. Denn die letzten Augenblicke des Lebens gehören jenen Menschen, die man am meisten geliebt hat oder immer noch liebt. Die glücklichen Momente sind jene, die man in den wenigen Sekunden vor dem Tod sehen sollte und wenn ein Film es schafft, einen wieder an wahre Liebe und Gefühle zu erinnern, dann wohl „The Grey“.

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Saving Private Horse

„Je intelligenter ein Tier, desto größer seine Chance vom Menschen missbraucht zu werden“, – so schrieb schon der französische Autor Martin Monestier und gerade in Kriegszeiten wird dies besonders deutlich. Wobei die Ausbeutung der Tiere im Krieg in der Historie so gut wie gar nicht behandelt worden ist, – „Tiere im Krieg“ ist ein fast vergessenes Kapital, welches wert ist endlich aufgeschlagen zu werden. Allein die Zahlen sind erschreckend. Über 16 Millionen Pferde sind im Ersten Weltkrieg auf den Schlachtfeldern gestorben. Sie wurden gnadenlos ausgebeutet, verendeten qualvoll vor Erschöpfung und Müdigkeit, wurden brutal erschossen oder dienten als Schlachtvieh. Wie schnell Pferde abgeschlachtet worden sind, zeigt der Kampf bei Moreuil, wo im März 1918 über 800 Tiere in nur einer Stunde gestorben sind. Besonders schlimm erwischten es die Artillerie-Pferde, die durch unwegsames Gelände schwere Geschütze ziehen mussten und innerhalb von wenigen Tagen daran krepierten. Neben Pferden wurden auch Hunde und Tauben für den Krieg eingesetzt, – allein im zweiten Weltkrieg starben fast dreißig Millionen Tiere.

Der Mensch hat das Tier immer schon für seine Kriegszwecke eingesetzt, – in der Antike waren es Elefanten, die gegen als brennende Fackel missbrauchte Schweine antreten mussten und heute werden Delfine, Seehunde oder Ratten als Minensucher ausgebildet um ihr Leben auf der Suche nach den todbringenden Bomben zu lassen. Im Gegensatz zum Mensch hat das Tier aber keine Wahl und wird als Kanonenfutter Millionenfach verwendet. Nackte Zahlen sind meist zu abstrakt um zu berühren, so hoch und erschreckend sie auch sein mögen. Und das weiß niemand besser als Steven Spielberg, der in jedem seiner Filme versucht das Individuum in den Vordergrund zu stellen und anhand eines Schicksals das Leben, den Kampf und den Schmerz vieler aufzuzeigen. In „Schindlers Liste“ zeigt er uns das Grauen des Holocausts durch ein Mädchen in einem rosafarbenen Mantel, welches als einziger Farbpunkt in diesem schwarz-weiß Film diente, – in „Saving Private Ryan“ riskieren acht Soldaten ihr Leben um den einzigen noch lebenden Sohn einer Mutter, die bereits drei Söhne verloren hat, zu retten. Aber auch sonst fokussiert Steven Spielberg gerne das Grauen oder auch Wagnisse anhand einzelner Figuren, – sei es den Schrecken aus der Tiefe mit dem „Weißen Hai“, den längst ausgestorbenen, in „Jurassic Park“ wieder zum Leben erweckten Tyrannosaurus Rex oder er erschuf mit Indiana Jones eine nachhaltige Symbolfigur des Abenteurers und Archäologen. Und genau diese Mission hat Spielberg bei „Gefährten“ fortgesetzt und inszenierte mit diesem Film eine Liebeserklärung an das Tier schlechthin.

Michael Morpurgos Jugendroman „Schicksalsgefährten“, – im Englischen „War Horse“ genannt, wobei dieser Titel das Thema des Pferdes im Krieg noch viel besser und genauer trifft, wurde im Jahr 1982 veröffentlicht und hat binnen kurzer Zeit eine einzigartige Erfolgsgeschichte gestartet. Kinder, Jugendliche und Erwachsene liebten die Story von der Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem Pferd und schnell hat es dieses Buch auch auf die Bühnen der Welt geschafft. Als Theaterstück fiel es Steven Spielberg auf, der sich rasch die Rechte dafür sicherte und mit seinen alten Weggefährten für das Kino episch aufbereitete. So untermalte die wunderschönen Landschaftsaufnahmen John Williams mit großer Orchester-Musik und sorgte aber auch in ruhigeren Passagen für eindringliche Momente. Michael Kahn gelang es durch seinen Schnitt aus vielen Einzelschicksalen ein großes Ganzes zu formen, wo der Rhythmus zwischen Krieg und Freundschaft, bewegten Szenen und leisen Momenten mehr als gelungen ist. Natürlich war auch wieder Janusz Kaminski dabei, dem es als Kameramann von so gut wie allen Spielberg Filmen gelang mit stilisierter Lichtsetzung nicht nur die irische Landschaft wunderschön auf die Leinwand zu bannen, sondern jede einzelne Szene bewegend auszuleuchten und dem Zuseher nahe zu bringen. Mit diesem Team gestaltete Spielberg ein zutiefst berührendes, visuell überwältigendes und unerschrocken emotionales Meisterwerk, welches ihn auf dem Höhepunkt seines Könnens zeigt und begreiflich macht was der Mensch nicht nur dem Tier, sondern auch sich selbst, im Kriege antut. Mit teils sensibler und dann wieder drastischer Bildersprache fängt Spielberg mit einem einzelnen Pferd das Leid von so vielen ein und neben der tiefen Freundschaft zwischen Pferd und Reiter entstehen immer wieder kluge und bewegende Porträts jener Personen, die das Schicksal und den Weg dieses Tieres teilen.

In diesem Film wird die ergreifende Geschichte vom Famersohn Albert und seinem geliebten Wallach Joey erzählt. Beide verbindet von Beginn an eine tiefe Freundschaft, die dramatisch auseinander bricht, als sein Vater Joe an die englische Kavallerie verkaufen muss. Als Kriegsross wird Joey direkt an die Front geschickt und erlebt die Gräuel des Krieges hautnah mit. Mit dem Einzug in den Krieg beginnt eine schicksalhafte Odyssee, die immer aus der Sicht des Pferdes erzählt wird und zeigt, was Joey alles angetan wird, aber auch wie er Menschen findet, die ihm helfen, die er inspiriert und diese durch den Tod aber auch wieder verliert. Albert wiederum kann in seiner Heimat sein Pferd nicht vergessen, meldet sich freiwillig um sich auf die Suche nach Joey zu begeben und sein Pferd wieder nach Hause zu bringen. Unterstützt wird Spielberg bei seinem Film von einem tollen Schauspielensemble, welches auch bei nur wenigen Filmminuten seinen Figuren einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck verleihen kann. Vergessen darf man bei diesem Film nie, dass ein Jugendbuch als Vorlage dient und darum wird das harte Kriegsgeschehen zwar nicht ausgeklammert, aber dennoch etwas unblutig dargestellt. Weit entfernt ist die Darstellung von der tatsächlichen Realität, welche Pferde im Ersten Weltkrieg erleiden mussten. Liest man bei Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ nach, dann kann man sich schnell ein Bild davon machen, wie es ausgesehen haben mag als sich hunderte Pferde verstümmelt nach einem Schrapnellangriff im Todeskampf wanden und qualvoll starben.

In grandiosen Bildern und Sequenzen wechseln sich Grausamkeit und Poesie, schwelgende, in fast schon kitschige Farben getauchte Einstellungen und mit dem Entsetzen des Krieges ab. Das Tier trifft auf die Bestie Mensch und wird von eben dieser dann auch wieder gerettet und gesucht, Liebe und Tod liegen oftmals nur einen Schnitt, einen Augenblick voneinander entfernt. „Gefährten“ ist wie jeder Spielberg Film für die Augen eines Kindes gedreht und mit den Augen eines Kindes sollte man seinen Filmen auch begegnen, – wobei es sich in den Kriegsszenen genau umgekehrt verhält, – hier sehen Kinder das Grauen aus einer sehr erwachsenen Perspektive, was gewagt ist und dem Film eine ganz besondere Tiefe verleiht.

Mit einem Zitat angefangen, endet diese Filmkritik auch mit den Zeilen eines der bekanntesten, deutschen Philosophen und Denker – „Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedenken sei, ist eine geradezu empörende Barbarei des Abendlandes. Die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit sind wir den Tieren schuldig.“ Diesen Zeilen von Arthur Schopenhauer ist nichts hinzuzufügen wie auch diesem großen Gefühlskino, welches eine emotionale Hommage an das Tier ist und ohne viele Worte Seele und Herz eines jeden Lebewesens einzufangen vermag.

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Verblendung

Es gibt vielleicht noch Menschen, die noch nie etwas von diesen drei Kultbüchern des Autors Stieg Larsson gehört haben, – wer dazu gehört, aber auch alle Fans der Bücher sollten schnell ins Kino gehen, denn mit „Verblendung“ wurde jetzt das erste Buch, – nach der schwedischen Verfilmung, von David Fincher für den internationalen Markt mit bekannten Gesichtern und viel Geld neu verfilmt.

Der Plot spannt sich trotz seiner über zweieinhalb Stunden Länge straff über die Leinwand und wirkt dabei wie ein Stück Haut, dass dem Buch abgezogen und diesem Film übergeben worden ist, – das Drehbuch passt perfekt und vermag bis zum Schluss zu fesseln. Allein der Beginn des Films ist ein Film in sich. Aus ineinander fließenden Strömen von flüssigem Teer und geschmolzenem Metall formen sich die Skulpturen der beiden Hauptdarsteller. Ob es eine Verschmelzung, ein Liebesakt oder eine grausame Auflösung in einer giftigen Flüssigkeit ist wird dabei offen gelassen. In ihrer präzisen Komposition und unglaublichen Ästhetik erinnern die in metallisch-schwarzer Farbpalette gehaltenen Anfangseinstellungen an die tragenden Elemente des folgenden Films. Beide Hauptfiguren, der Journalist und die junge Punkerin, haben eine Leidenschaft und besondere Spezialität, – das Enthüllen. Und dabei ist es nur logisch, dass beide sich letztendlich auch selbst enthüllen, wie der Vorspann zeigt und in der Offenlegung ihrer Körper und Seelen auch viel Gefahr und Angst verborgen liegt.

Dieser metaphorische Bilderreigen ist ein genialer Einspann zum folgenden Film, dessen Geschichte als mittlerweile bekannt  beim Zuseher vorausgesetzt werden darf. Dennoch gelingt es dem Regisseur David Fincher die Geschichte von Hass und Rache, Jägern und Gejagten, dunklen Geheimnissen und letztendlich von Gut und Böse neu zu erzählen, wobei die Grenzen schwimmend und verfließend sind wie die ersten Sekunden des Films schon andeuten. Für alle die, welche die Geschichte dennoch nicht kennen, – „Verblendung“ handelt vom Journalisten Mikael Blomkvist, der gerade um seinen Ruf bangt und seine Reputation als aufklärerischer Journalist wegen mangelnder Beweisführung vor Gericht verloren hat. In dieser schwierigen Zeit wird er von einem steinreichen Industriellen angeheuert, um das Geheimnis seiner vor zwanzig Jahren spurlos verschwundenen Enkelin aufzuklären. Blomkvist nimmt an, zum einen wegen dem Geld, aber auch, weil der Auftraggeber Beweismaterial verspricht, mit dem er sich als Journalist wieder rehabilitieren könnte. Bei der Aufklärung des Falles steht ihm die blutjunge, rebellische Hackerin Lisbeth Salander zur Seite, die Rache nehmen möchte an all dem Bösen in der Welt, insbesondere, wenn dies männlich ist. Beide entdecken hinter dem Verschwinden der Enkelin die blutrote Spur eines Serienkillers, dessen grausame Taten bis in die Gegenwart der Industriellenfamilie zu reichen scheint. Diese Spur zu enthüllen und das Geheimnis zu lüften, schweißt beide Hauptfiguren zusammen bis zum brutalen Ende.

Die eigentliche Story aber in dieser Geschichte ist die Welt rund um Lisbeth Salander, mit deren Entwicklung dem Autor Stieg Larsson eine Kultfigur gelungen ist. Lisbeth Salander hat trotz ihrer noch so jungen Jahren Furchtbares erleben müssen, eine missbrauchte Kinderseele, die mit aller Härte in diesem zarten Körper um ihr Recht auf Leben, Liebe und Selbstbestimmung kämpft. Gepierct, mit einem Drachen tätowiert, hochintelligent, Einzelgängerin, verschlossen, fotographisches Gedächtnis, Computergenie, vergewaltigt, verletzlich und skrupellos, ist sie eine Art Cyper-Rächerin aller Frauen, die als Opfer von Gewalt und Missbrauch Böses mit Bösem vergilt. Das Thema der „Rache“ zieht sich bei „Verblendung“ als roter Faden durch den Film, durch das Leben von Lisbeth Salander und auch durch die Werke von David Fincher. Getragen von einem guten Schauspielerensemble ragen Daniel Craig, der seinen Journalisten souverän anlegt und in dieser Figur weitaus besser gefällt als in vielen anderen, 007 geprägten Filmen, und die noch relativ unbekannte Ronney Mara heraus, die es schafft der facettenreichen Romanfigur ein Gesicht zu verleihen, welches zugleich aus mehreren Gesichtern zu bestehen scheint. Mara vermag die vielen Seiten der Lisbeth Salander zu verkörpern, ohne dabei verschiedene Klischees zu bedienen oder von zart auf hart zu springen. Sie legt ihre Figur weitaus stiller, verschlossener und subtiler an als die in der schwedischen Kinoversion von Noomi Rapace gespielte Lisbeth, und macht sie dadurch zwar zerbrechlicher, aber auch dem Zuseher zugänglicher. Trotz ihrer gezeigten Härte und kühlen Verschlossenheit wirkt sie als Figur, als Frau, Mädchen, Mensch weitaus interessanter und Maras Lisbeth ist in ihrer Stummheit schillernd und unberechenbar zugleich. Die kaltblütige Klarheit in ihren Taten steht in eklatantem Widerspruch zu Lisbeths fragilem Äußeren, dem Punkstil und den vielen Piercings im Gesicht, – sie wirkt wie ein verlorener Racheengel mit grazilem Audrey-Hepburn Körper und scheuem Ausdruck in den Augen, die gar nicht zu solch einer Brutalität fähig ist, die sie dann im Zuge ihrer Rache an jenen Menschen zeigt, die ihr Böses angetan haben. Neben den zwei Hauptcharakteren ist der ewige Winter, – die klirrende Kälte, das blendende Weiß des Schnees die dritte Hauptfigur in diesem Film und für alle Zuseher wird die Kälte, das Eis durch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen und Nahaufnahmen frierender Gesichter spürbar.

„Verblendung“ ist ein Kunstwerk der ganz eigenen, besonderen Art und Finchers Talent für protokollarisches, aber geschmeidiges Erzählen kommt hier besonders gut zum Tragen, untermalt von düsteren Bildern und pulsierenden Gitarrenriffs eines alten Led-Zeppelin Songs. Ein Film, ganz im Zeichen vom Eleganz und Stil gehalten, von Klarheit und bildnerischer Schönheit, der eine seltsame Kombination von klassischem Journalismus zeigt, der sich mit der androgynen Figur des Internets einlässt und sie zur Komplizin macht. Auf der Suche nach dem Mörder treffen Printschreiber und die Generation der Blogger und Twitterer zusammen und reichen sich die Hände im Namen einer höheren Gerechtigkeit. Und das macht den Reiz dieses Filmes zusätzlich noch aus, denn von den gut zweieinhalb Stunden des Films spielt ein Drittel in Bibliotheken, Archiven, Redaktionen, an Schreibtischen und Aktenregalen, zeigt aber auch die Arbeit am PC und das Hacken und Beschaffen von geheimen Daten. Neben vielen gelungenen Details wie den in erlesenen Sepiafarben gehaltenen, gezeigten Bildern der sechziger Jahre, die in Rückblenden das damalig Geschehene erzählen oder der abgeschiedenen Einsamkeit und den verlorenen Raumfluchten des Anwesens auf der Privatinsel, ist die Verbindung von klassischer Recherche und modernen Methoden der vielleicht schönste Zug dieser Verfilmung. Und die  Bilder, welche Lisbeth und Blomkvist in Archiven und alten Fotoalben entdecken, fließen wie entfesselt über die Leinwand, als hätte die digitale Verwandlung sie erst richtig zum Leben erweckt und zur Erscheinung gebracht.

Eine immer wieder gestellte, langsam schon müßige Frage zum Schluss, – warum eine Neuverfilmung der schwedischen Version von „Verblendung“? Dies kann man ganz einfach und klar beantworten, – verschiedene Menschen interpretieren ein Buch anders und lassen sich auf andere Art und Weise von einer faszinierenden Geschichte inspirieren, – die Tatsache, dass es bereits einen Film gibt, ist kein Argument dagegen und von einem „Original“ braucht man daher auch nicht bei der europäischen Version zu sprechen. Möge dieses Buch, – diese Trilogie, die Figuren darin, der schwarze, tätowierte Racheengel noch viele Filmschaffende und Künstler inspirieren, – denn das ist schließlich das Größte, was Kunst vermag, – wenn es so genial beschaffen ist, dass es andere, eigenständige Künstler zu einer neuen Interpretation verführt und motiviert. Und wenn es so gelungen ist wie bei David Finchers „Verblendung“ kann man nur hoffen, dass auch die zwei anderen Teile in ähnlicher Qualität auf die Leinwand gebannt werden wie dies hier geschehen ist.

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Atmen

ist ein Film, der einen stellenweise tatsächlich den Atem raubt, der den europäischen Filmpreis gewann, der einen Blick in eine verletzte Seele wagt, ein Regieerstling, der mit einem bis dahin vollkommen unbekannten Darsteller gedreht wurde, – „Atmen“ ist eine Überraschung, ein Augenblicksfilm, der jene feine, psychologische Klinge besitzt, die große, österreichische Künstler so unterschiedlich sie auch sein mögen von Schnitzler bis Kubin immer schon ausgezeichnet hat.

Und dabei besitzt der Regisseur Karl Markovics soviel Feingefühl und Sensibilität in der Inszenierung, als hätte er als Jugendlicher selbst all das erlebt, was seinem Protagonisten zugestoßen ist. Die Geschichte ist alles andere als leichte Kost, mutet dem Betrachter trotz der einfachen und schlichten Erzählweise viel zu. Der Zuseher erhält Einblicke in ein Leben, wo nichts so lief wie man es sich für ein Kind wünschen würde. Statt finanzieller Sicherheit, emotionaler Hingabe und liebevollen Eltern, – wurde die Hauptfigur als Kind von einer völlig überforderten Mutter weggeben, kam ins Heim, wurde zum verschlossenen Einzelgänger, der seine Gewaltausbrüche nicht kontrollieren konnte und im Affekt einen Gleichaltrigen so schwer verletzte, dass dieser im Krankenhaus verstarb. Bittere Endstation, – Jugendknast. Jetzt ist Roman Kogler 19 Jahre, schon ganz in einem trostlosen, geregelten Gefängnisalltag integriert, nach außen allem gegenüber gleichgültig und nicht einmal die anstehende Haftprüfung, die ihn in die Freiheit entlassen könnte, scheint ihm viel auszumachen. Den Blick hinter die wortkarge Fassade eines Menschen, Jugendlichen zu wagen, der schon zuviel erlebt und gesehen hat für sein Alter und die darin verborgenen Gefühle, Zweifel und Sehnsüchte freizulegen, – dies ist das filmische Wunder, welches dieser Film vollbringt. Dies gelingt ihm über das Zeigen kleiner Details und Momentaufnahmen, die ein wenig an die Dokumentationen von Elisabeth Spira erinnern, die sich in Österreich mit ihren schonungslosen Darstellungen sozialer Lebensumstände einen Namen gemacht hat.

Dieser Film ist jedoch weit persönlicher als jede Dokumentation und je mehr die Figur sich und seiner Geschichte öffnet, desto mehr fühlt der Zuseher mit. Mit viel Fingerspitzengefühl hängt sich die Kamera an die Fersen der Hauptfigur. Man folgt ihm bei seiner Suche nach seiner Mutter, man nimmt Anteil am Alltag im Bestattungsunternehmen, wo Roman schließlich nicht nur einen Job, sondern auch so etwas wie Freunde findet. In verschiedenen Orten wird die filmische Welt etabliert und irgendwann ist man nicht nur teilnahmsloser Beobachter, sondern wird Begleiter und Freund. Wobei die Wahl mit Thomas Schubert als Darsteller des Roman Koglers eine mehr als glückliche war, denn dieser stellt ihn mit viel Energie, gebrochener Einsamkeit und subtiler Kraft dar. Ihm gelingt es zu zeigen wie schwer der Weg ist von einem Häftling zwischen Gefängnis und Bestattungsunternehmen auch als Mensch wahrgenommen zu werden und sich selbst als wertvollen Menschen zu begreifen. Ebenfalls sehr überzeugend ist die Darbietung von Georg Friedrich als Bestatter, der zwischen reinem Zynismus und berührendem Respekt gegenüber den Toten schwankt. Stark auch jener Moment, wo sich die Hauptfigur auf das Grab des getöteten Jugendlichen beugt und sich zum ersten Mal mit seiner Tat auseinander setzt. Schuld und Vergebung, sowie die Chance auf einen Neuanfang werden im Schlussbild gezeigt und runden einen sehr ehrlichen und packenden Film ab.

Karl Markovics zeigt, wie wunderbar österreichisches Kino ist und sein kann, – er wollte keinen Film, der sich an amerikanischen Actionfilmen misst, mit Slasher – und Horrorelementen kokettiert oder die Seele des Landes verleugnet, wo er gedreht worden ist, – Atmen zeigt, was den österreichischen Film ausmachen kann, wenn er in die richtigen und fähigen Hände von Menschen gelegt wird, – es entsteht ein Film, der langsam ist, sensibel, der in die Tiefe geht, wenig Hoffnung besitzt und nur sehr zaghaft, fast ungläubig in eine ungewisse Zukunft blickt, – der Tod ist dabei ständiger Begleiter, Leben und Tod der ewige Kreislauf, nur mit dem Unterschied, dass diesmal der Tod zurück ins Leben verhilft, – was berührend, traurig und wunderschön ist.

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In Time

Was also ist die Zeit? – Quid est ergo tempus? – Diese Frage hat schon Kirchenvater Augustins gestellt und seit Anbeginn der Menschheit ist dies eine der grundlegendsten Fragen rund um die menschliche Existenz. Antworten darauf wurden immer wieder gegeben, – und jetzt versucht es der Film „In Time“ vom Regisseur Andrew Niccol. Die Frage nach der Zeit wird in diesem Film jedoch nicht philosophisch beantwortet, sondern sehr direkt und gnadenlos, – Zeit ist Geld und damit die neue Währung, die gilt. Und wie auch in der jetzigen Realität besitzen in diesem düsteren Zukunftsszenario einige wenige Menschen Millionen Jahre, während den meisten Bewohnern nur wenige Tage verbleiben. Aufgrund einer genetischen Revolution hören die Menschheit mit 25 zum Altern auf und es verbleibt ihnen dann noch genau ein Jahr Zeit. Zeit dazu gewinnen kann man nur durch Arbeit, durch das Stehlen der Zeit anderer, durch Mord oder auch durch Erbschaft. Schafft man es nicht nach diesem Jahr mehr Zeit zu erhalten, dann hört das Herz auf zu schlagen und man stirbt. Diese Grundidee ist spannend und wird auch deswegen viele Menschen in das Kino locken. Es ist ein Thriller, wo die Protagonisten immer in Lebensgefahr schweben. Die Uhr am Unterarm zeigt die verbleibende Lebenszeit an und dies führt zu einem ständigen Gefühl der Bedrohung, – vor allem, wenn die Figur nur mehr Sekunden zum Überleben hat. Solch eine intensive Idee wurde schon lange nicht mehr im Kino gezeigt und Andrew Nicool ist nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern auch für das Drehbuch. Zwar gibt es Parallelen zu „Logans Run“ mit Sir Peter Ustinov, aber Inspiration darf man sich durchaus von vergangenen Filmen holen. Die Idee an sich ist allerdings nicht so neu, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Niccols zeigt in diesem Film eine karge, kalte, graublaue Welt, eine reizentleerte, der alle Farben, alles Leben eigentlich entnommen wurde. Dies wird nicht nur in den staubigen Armenvierteln deutlich, sondern später dann auch in den reichen Distrikten, die in ihrer Kälte und Anonymität einer Geisterstadt gleichen. Alles läuft letztlich auf das neongrüne Schimmern des Countdowns auf dem Unterarm hinaus, nur die darauf verrinnenden Jahre, Tage oder nur Sekunden zählen, – alles und jeder fixiert sich auf die Zeit, die noch bleibt. Die Parallelen zwischen dem Gebrauch von Zeit bei „In Time“ und von Geld in der Realität sind erdrückend. Fast als würde der eigene Kontostand auf dem Unterarm tätowiert sein und man genau sieht wie viel Geld dem einen noch verbleiben, während der andere ein kleines Vermögen mit sich herumträgt. Diese Grundidee, die handwerklich großartige und stylische Arbeit des Kameramannes, die ästethischen Bilder und der Spannungsbogen der handelnden Figuren hätten ausgereicht um „In Time“ zu einem großen Film werden zu lassen. Warum dies nicht funktioniert hat, ist wohl letztendlich dem System Hollywood zu verdanken. Denn auch hier zählt nicht die Genialität eines Films, sondern die Einspielergebnisse und irgendwie hatte man das Gefühl, dass der Regisseur unbedingt einen Erfolg landen musste. Darum auch die Wahl der Schauspieler, denn ein Justin Timerlake, der trotz Muskeln und Schauspieltraining so wenig in eine arme, harte Realität passt wie seine Mitspielerin Amanda Seyfried, die dem aktuellen Magerwahn angepasst wie eine leicht verhungerte Barbie wirkt, die eine Flucht aus ihrem verwöhnten Leben sucht und auf der Suche nach neuen Drogen sich dem Thrill des Überlebens hingibt, bedienen deutlich ein sehr junges Mainstream Publikum. Diese Jungdarstelleriege kann die Tiefe und Ernsthaftigkeit der Thematik nicht vermitteln und vermag es auch nicht die seelische Entleertheit der Gesellschaft wiederzuspiegeln. Ähnlich wie Bonnie und Clyde beginnen die Beiden Banken auszurauben und Zeit zu verteilen, lieben und verlassen sich und wirken dabei wie zwei von MTV gecastete Schauspieler, die vor allem ein junges Publikum ansprechen wollen.

Dem großen SciFi-Thriller mit der innovativ-brillanten Idee des letzten Jahres, Christopher Nolans „Inception“, kann dieser Film nicht das Wasser reichen, erreicht auch bei weitem nicht dessen große Komplexität und schafft auch keine erklärenden Ebenen. Denn „In Time“ erklärt im Grunde gar nichts, – verwechselt Interpretationsspielraum zu oft mit inhaltlicher Leere und strapaziert politische Metaphern fast bis zur Unerträglichkeit. So schön „In Time“ anzusehen ist, so dringen die Idee nicht weit bis unter die Oberfläche. Einzig der Zeitpolizist Cillian Murphy schafft es in wenigen Momenten jene düstere Beklemmung darzustellen, in die alle Menschen in diesem Film gefangen sind und vermag auch zu vermitteln, dass er eine weitaus ältere Seele besitzt als sein jugendliches Aussehen vermuten lässt. Das bizarre Detail am Rande von „In Time“ ist die alterslose Gesellschaft, wo alle wie 25 aussehen, Mütter von ihren Töchtern nicht zu verwechseln sind und Männer keinerlei Falten mehr besitzen. Jeder kann sich fragen, ob so die Gesellschaft der Zukunft aussehen sollte.

Die verrinnende Lebenszeit als digitales Leuchttattoo auf dem eigenen Unterarm bleibt auch nach dem Film prägend. Eines wird sehr deutlich, – wie wichtig und kostbar Zeit ist. Und die eigene Lebenszeit jedes Menschen ist die eigentliche Währung des Glücks, – dessen sollte man sich bewusst werden. Eines hat „In Time“ auf alle Fälle erreicht, – es ist ein Film, der Lust aufs Leben, auf den erlebbaren, wunderschönen Moment macht und allein deswegen auch danach noch eine intensive Wirkung besitzt.

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Eine dunkle Begierde

Eine dunkle Begierde widmet sich nicht nur dem Genre des Psycho – und Historiendramas, sondern versucht auch den Vätern der modernen Psychoanalyse ein würdiges Denkmal zu setzen. Zudem zeigt dieser Film eine komplizierte Dreiecksbeziehung  und versucht in Psychoduellen die Hintergründe von Emotionen und deren Handlungen zu erklären. Alles irgendwo zuviel auf einmal, denn eine Dunkle Begierde zerbricht an den eigenen Erwartungen und bleibt als vertane Chance bei all den Möglichkeiten zurück.

Und Möglichkeiten gab es mehr als genug. Regisseur David Cronenberg hatte immer den Hang zu Filmstoffen, welche die Abgründe der menschlichen Psyche darstellten und scheut sich auch nicht davor zurück diese mit drastischen, radikalen Bildern zu zeigen. Ein Kinoästhet, der bei all der Liebe zu schönen Bildern immer auch viel Wert auf die Entwicklung einer Geschichte gelegt und diese mit charismatischen Persönlichkeiten  dargestellt hat.  Bei ihm schien dieser Stoff in den richtigen Händen zu sein. Als Vorlage für den Film diente das Theaterstück The Talking Cure des britischen Autors Christopher Hampton, das 2002 uraufgeführt wurde und zu einem der erfolgreichsten Theaterstücken zählt. Der authentische Stoff um Sigmund Freud und C. G. Jung, den beiden Vätern der Psychoanalyse, und die junge, russische Hysterikerin Sabina Spielrein bietet sich zudem wie geschaffen für einen großen Kinofilm an. Und mit den Schauspielern Viggo Mortensen, der bereits zwei Filme mit Cronenberg gedreht hat, dem noch jungen, aber hochtalentierten Michael Fassbender und der wunderschönen Keira Knightley stand auch noch eine hochkarätige Darstellerriege, die mit Vicent Cassel noch ergänzt wird, dem Regisseur zur Verfügung. Warum dies letztendlich alles nicht gereicht hat, um aus einem engagierten Projekt einen großartigen Film zu machen, hat sicher mehrere Gründe. Der Film scheitert zum einem an seinem mehr als fragwürdigen Anspruch auf Authentizität, noch gelingt es glaubwürdig die Probleme aus der Frühzeit der Psychoanalyse wiederzugeben. Am meisten verfehlt der Film die Wirkung genau bei der Dreiecksgeschichte zwischen Jung, seiner Frau und seiner Patienten, die ihm Geliebte und dann auch die große Liebe wird.

Vorallem Fans von David Cronenberg hatten sicher immer wieder das Gefühl im falschen Film zu sein. Die visuelle Darstellung seelischer Abgründe hat in diesem Film eindeutig gefehlt. Zwar sind die Dialoge wunderbar geschliffen, fein ausgeführt, aber allein die Sprache in verschieden wechselnden Ambiente hauchen diesem Film leider kein Leben ein. Zwar sind auch die Bilder schön fotografiert, aber es fehlen jene verstörenden Aufnahmen, wo man die seelische Pein, das verstörende Begehren der Hauptfiguren erkennen kann. Der ganze Film besaß leider die perfekte und allzu glatte Atmosphäre einer idyllischen Postkarte, – das immerwährend schöne Wetter nervte und schöne Menschen in schönen Kleidern in schöner Umgebung, die selbst mit größter Ästhetik und Zurückhaltung seelische Abgründe, psychische Zerrissenheit darstellten, vermittelten eine Oberfläche, die mit Dauer des Films den Zuseher immer mehr kalt ließ und nicht in die Geschichte miteinband. Was gänzlich vernachlässigt wurde, war die masochistische Neigung der Hauptfigur, die ja immerhin auch Gegenstand ihrer hysterischen Anfälle war und dem Zugeständnis ihres Geliebten doch nachzugeben und ihre devote Natur beim Sex zu befriedigen. Um zu zeigen wie wenig Zeit für die Darstellung sadomasochistischer Praktiken verwendet wurde, -  es gab im gesamten Film nur zwei Szenen, die die den Spannungsbogen zwischen Schmerz und Lust, Demütigung und Hingabe, Macht und Dominanz für wenige Sekunden zeigten sollten, – beide Szenen waren so mit dem Weichzeichner gemalt, dass man eigentlich gar nichts sah, – der Zuseher konnte nur erahnen, dass dies jetzt eine Sadomasoszene war. Vielleicht lag es auch am verunglückten Schnitt, – aber eine Bestrafungsszene zu zeigen und anschließend friedlich im Segelboot über den Zürichsee zu treiben mutet dann doch mehr seicht und oberflächlich an als dunkel und verstörend. Auch jener Schnitt, wo Jung doch wieder Kontakt zu seiner ehemaligen Patienten und Geliebten hatte und sich einverstanden erklärte mit ihr gemeinsam ihre Doktorarbeit zu bearbeiten und dies mit dem Satz unterstrich: „Gut, wir werden uns jede Woche treffen, aber es wird schwer die Distanz zu wahren“, – um gleich anschließend jene Szene zu zeigen, wo die immer ein wenig verhuscht wirkende Keira Knightley  etwas ulkig mit einem  Gürtel ans Bett gefesselt war um von ihrem Doktor ausgepeitscht zu werden, – da hatte man als Zuseher das Gefühl, dass wesentliche Szenen fehlten, – vor allem jene Momente, die gerade diese Emotionen erklären sollten und somit wirkte dies dann eher unfreiwillig komisch und fast schon unglaubwürdig. Auch hatte man als Zuseher das Gefühl, dass sich gerade die zwei Hauptdarsteller Knightley und Fassbender alles andere als wohl fühlten und mit Erotik und gegenseitiger Anziehung zueinander auch so gar nichts anzufangen wussten. Ein wenig wirkte Eine dunkle Begierde so, als wäre dem ganzen Film das Blut abhanden gekommen, – alles wirkte etwas steif, etwas sehr inszeniert und das Bild vom trockenen Gelehrtenpaar Freud/Jung wirkte auch nicht inspirierend und ließ beide als eher langweilige Figuren zurück.

Das Schlechteste an diesem ansonsten klug gemachten, analytischen und teilweise wunderschön bebilderten Film ist eben die Erotik, – denn diese will man sicher nicht so erleben wie dargestellt und von dunkel oder leidenschaftlich war hier nicht viel zu sehen, – aber vielleicht hat auch nur mein Überich mein Unbewusstes in der Wahrnehmung dieses Films blockiert.

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Columbiana – gebrochene Heldin auf Rachefeldzug

Rache  ist oftmals mehr als ein Gefühl, als eine bestimmte Emotion, – Rache kann zu einem beherrschenden Lebensgefühl werden und das Dasein eines Menschen komplett bestimmen. Es gibt Menschen, die haben lange auf jenen einen Tag gewartet, auf den Tag der Rache, der zugleich Erfüllung eines Schwurs und Erlösung ebendiesen sein kann und es gibt Menschen, die an dieser Rache zerbrechen. Rache kann das Ziel eines Leben sein, – und der Tag, wo der Rachedurst endlich gestillt ist, stellt oftmals den Beginn eines neuen Lebens dar oder auch sein Ende. Und genau um diese Dualität dieses beherrschenden Gefühls dreht sich der Film Columbiana, der eine gebrochene Heldin zeigt, der auf ihren Rachefeldzug scheinbar jedes Mittel recht ist, und die mit einer gnadenlosen Härte ihre Ziele verfolgt. Bis zum bitteren Ende.

Rachegefühle hat die Hauptfigur auch berechtigterweise, denn sie muss als junges Mädchen mit ansehen wie ihre geliebten Eltern von den Handlagern eines kolumbianischen Mafiabosses grausam umgebracht werden. Der Gegensatz zwischen der schlimmen Tat und dem noch so jungen, zarten Mädchen, welches noch dazu nach einer wunderschönen Orchidee – Cataleya – benannt wurde, ist Ausgangspunkt dieser Geschichte, wo Luc Besson der Ideengeber war, – die Realisierung aber seinem Kollegen Olivier Megaton überließ. Luc Besson verdanken wir so großartige Filme wie Léon der Profi oder auch Nikita, – und er gehört auch zu jenen Drehbuchautoren und Regisseuren, die sich nicht scheuen eine Frau mit schweren Rachegedanken als Hauptfigur in einem Actionfilm zu setzen und ihrer blutigen Spur zu folgen.

In diesem Fall folgt der Film der erwachsen gewordenen und zur Profikillerin ausgebildeten Cataleya, die ihr Ziel, – die Rache an den Mördern ihrer Eltern, nicht aus den Augen verliert und den schwer zu fassenden Gegner mit gezielten Morden aus dem Versteck herausholen möchte. Der Film Colombiana hat jetzt nicht wirklich das große Screenplay und ein guter Actionfilm sollte niemals die Intelligenz der Zuseher beleidigen. Leider tut dies die Geschichte von Colombiana allzu oft, sodass man nicht nach großer Logik in der Geschichte suchen sollte.  Doch es gibt einige Dinge, die von den Schwächen des Drehbuchs und der Dialoge ablenken, und diese funktionieren einwandfrei. Neben der Action und der eleganten Optik ist dies vor allem der Hauptdarstellerin Zoe Saldana zu verdanken, welche die gebrochene Rachefigur und Killerin mit einer körperlichen Intensität verkörpert, als hätte sie ihr ganzes Leben darauf gewartet mit unübertreffbarer Eleganz und Fitness über die Leinwand zu huschen, schwere Mordgeräte scheinbar leicht zu bedienen oder männlichen Gegnern auch in der Denkweise überlegen zu sein. So schön wie eine blutige Orchidee turnt sie über Gebäude, klettert über Fassaden, verschwindet in Lüftungsschächten, schwimmt durch Haifischbecken und tötet ihre Widersacher gekonnt, schnell und lautlos wie ein Schatten. Selbst beim Showdown kann sie den Bösewicht nur mit ihrer Stimme über Kilometer hinweg töten und liefert dies alles mit einer physische Performance ab, die in ihrer Geschmeidigkeit jeden schwarzen Ninja vor Neid erblassen lassen würde. Die Kamera fängt dabei minutiös jede ihrer akrobatischen Manöver ein und der Zuseher darf dieser wunderschönen, starken, gebrochenen und zugleich verletzlichen Frau selbst bis ins Bett oder unter die Dusche folgen, – eine voyeuristische Kamerafahrt, die immer wieder auch die seelischen Abgründe der Titelfigur einfängt.

Damit hebt sich Zoe Saldana als Actionheldin gerade auch in der Darstellung von intensiven, verletzlichen Momenten und der scheuen Zurückhaltung von einer Angelina Jolie ab, die oftmals zu kühl oder unnahbar wirkt oder auch von einer Milla Jovovich, der die seelische Tiefe einfach in ihrer Darstellung fehlt. Man würde sich also wünschen dieser Figur noch länger zu folgen und ihrem Lebensweg auch nach dem Ende der Rache begleiten zu können. Neben der Hauptfigur verblassen leider andere Darsteller und besitzen nicht genug Raum um ihren Figuren Persönlichkeit und Tiefe verleihen zu können. Neben gekonnten Actionsequenzen, die hart, schnell und rasant geschnitten sind, sorgen einige emotionale Momente dafür, dass dieser Film nicht gleich aus dem Gedächtnis verschwindet. Der Soundtrack und die die Musik untermalen diesen Film gekonnt und einige Songs sind sehr gelungen eingesetzt, – vor allem am Ende der Showdown mit Jonny Cash und seinem Song Hurt. Dieses Lied berührt in Kombination mit den letzten Einstellungen des Films und darum war es nicht verwunderlich, dass im Kino zum Schluss selbst bei einem so harten Actionfilm küssende, ineinander versunkene Paare übrig geblieben sind.

Eines allerdings überrascht, – Cataleya tötet und mordet den ganzen Film hindurch – sie sticht schon mal mit einer Zahnbürsten zu oder lässt Leute von Haien und Kampfhunden zerfleischen, – sie selbst jedoch bekommt wenige Wunden ab. Doch damit ist genau auch die Dualität der Rache gezeigt,  – denn wer ihre Tränen und in ihre Augen blickt, erkennt vielleicht die schweren, seelischen Wunden, die man auf der Oberfläche nicht sieht, die aber dennoch Teile ihrer blutigen Seele bleiben werden. Und diese Wunden verschwinden auch nicht durch all die Racheakte, – wenn überhaupt werden solche Wunden nur durch die Liebe geheilt.

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Once upon a time in the west

Immer noch unerreicht – Sergio Leones Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ gilt für viele nicht nur als bester Film aller Zeiten, sondern markiert auch den Höhepunkt des Westerns, – der seitdem von keinem anderen Film (einzige Ausnahme – „Erbarmungslos) auch nur ansatzweise erreicht wurde und dem hiermit auch eine Hommage gewidmet ist, – umso mehr als die modernen Western – aktuell in den Kinos „Cowboys und Aliens“ – eine filmische Katastrophe nach der anderen abliefern.

„Spiel mir das Lied vom Tod“ ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Ein grandioser Western, vielleicht der beste aller Zeiten, denn die einzige nennenswerte Konkurrenz wäre ebenfalls von Sergio Leone mit seinem dritten Teil der Dollar Trilogie – „The Good, The Bad and The Ugly“. Dennoch wird kein Cineast an diesem Western vorbeikommen, der jeden Zuseher sofort in die Einsamkeit der heißen Prärie versetzt und Melodien erklingen lässt, die sich tief in die Erinnerung eingraben. Allein die Eröffnungssequenz hat Filmgeschichte geschrieben und markiert dank neuer, filmischer Stilmittel eine neue Epoche in der Filmographie.

“Spiel mir das Lied vom Tod” ist der perfekte Abgesang auf den “American Dream”. Angefangen als Traum von einem Neubeginn, der eine Prostituierte aus New Orleans in die Abgeschiedenheit verschlägt, der einen belächelten Farmer zeigt, der sich ein besseres Leben für seine Kinder erträumt, – bis hin zum Zusammenbruch dieser Träume, schlägt dieser Film den großen Bogen zwischen gesellschaftlicher Kritik und dem persönlichen Spannungsfeld einzelner Figuren. In einer rauen Welt, einer unzivilisierten Einöde, wo Stärkere sich jeglichen Vorteil verschaffen und Schwächeren nur die Möglichkeit verbleibt Einfluss zu kaufen, um sich die eigenen, unerfüllten Träume zu verwirklichen, treffen mehrere Figuren aufeinander, die alle versuchen zu überleben und sich einer harten Wirklichkeit stellen, wo man jederzeit schnell und gnadenlos ins Jenseits befördert werden kann. Mit der schleichenden Industrialisierung kommt der Wandel, – kaltblütige Revolverhelden werden von den neuen technischen Errungenschaften überrollt und mit der Eisenbahn wird auch ein Abgesang auf unerschlossenes Land eingeläutet. Genau dieser Bogen wird hier zelebriert, in seiner ausgekosteten Vielfalt und in seiner poetisch verklärten Anspannung. Sehnsucht, Rache, Enttäuschung und Gewalt bleiben dabei keine leeren Versprechungen, sondern geben sich in einer seltenen, visuell bestechenden Eindringlichkeit zu erkennen. Kombiniert als eine Kette an Gewalt, Pathos, Freundschaft, Verrat und Rache hüllt dieser Film seine Figuren immer wieder in Momente des Wartens ein, – der die Spannung dieses Filmes steigert und zum Schluss in jenem Satz gipfelt – „Einer wartet immer“. In diesem Fall die schöne Claudia Cardinale, die umsonst auf eine gemeinsame Zukunft mit dem Mundharmonika-Mann gehofft hat.

Dieser Film von Sergio Leone ist poetisch bis ins letzte Detail. Fotografisch grandios,  – man könnte jede Einstellung nehmen und als Bild an die Wand hängen. Jede Szene ist durchkombiniert und wird getragen von einem tollen Drehbuch und der grandiosen Musik von Ennio Morricone, der das musikalische Gerüst für diesen Film kombiniert hat. Die Dialoge sind kurz, passend und genial. Die Bilder zeitlos schön und die Besetzung der Figuren mehr als gelungen. Man versinkt in den eiskalten blauen Augen des Bösen, von Henry Fonda gegen sein Image besetzt und gespielt, man folgt der wunderschönen, sinnlich und zugleich starken Claudia Cardinale durch den Film, man möchte das Geheimnis lüften, welches Charles Bronsen als stummer Held mit sich trägt und begleitet kantige, raue Männer durch die Einsamkeit einer Landschaft, die zugleich auch die existenzielle Einsamkeit jedes Individuums veranschaulicht.

Spiel mit das Lied vom Tod ist ein großes Epos, welches durch Musik, Dramaturgie, Darsteller, Bilder und Inszenierung zu Recht zu einem der besten Filme aller Zeiten zählt und als besonderer Klassiker der Filmkunst für ewige Zeiten Cineasten, Schauspieler, Regisseure und Künstler mit seinen Bildern und seiner Musik inspirieren wird.

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The End of Harry Potter

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 ist das epochale Finale eines Kinoereignisses, – der würdige Abschluss von Harry Potter und besiegelt das offizielle Ende der Kindheit vieler Zuseher und auch von mir.

Nach zehn Jahren, acht Filmen und beinahe 20 bezaubernden, unterhaltenden und spannenden Filmstunden ist Harry Potters kinematografische Saga komplett beendet und der letzte Akt in dieser Fantasy-Geschichte ist genauso überwältigend wie die Anfänge der ersten Filmminuten. Wenn nicht sogar ein wenig mehr, – denn wenn man beide Teile des letzten Harry Potters zusammenfasst und sich auch ansieht, dann ist das Finale absolut gelungen und  stellt auch einen der besten Filme unter den sieben Harry Potter Teilen dar.

Der Film bietet viel Dramatik, Spannung und vor allem toll getricksten Actionsequenzen. Die Story sollte Harry Potter Fans bekannt sein, – sicher hat es dem letzten Buch gut getan in zwei Teile verfilmt zu werden, da man sich ansonsten mit den komplexen Handlungssträngen schwer getan hätte. Der Humor ist bei diesem letzten Teil ein wenig auf der Strecke geblieben und auch den kindlichen Grundton der ersten Potter-Filme wird man hier vergeblich suchen. Wie einem Finale angemessen, handelt es sich bei HP 7.2 um den actionreichsten und sicher auch düstersten Potter-Film. Die Schlacht um Hogwarts bietet großes Kino mit viel Emotionen, viel Blut und auch bitteren Verlusten. Gerade hier wird die Entwicklung der Filme und Figuren sehr sichtbar, – wenn in den ersten Filmen von Harry Potter nur Federn zum Schweben gebracht werden,  – gibt es hier große Magie-Kampfszenen mit vibrierenden Zauberstäben, welche die Laserkämpfe eines Darth Vaders gekonnt in den Schatten stellen. Die düstere Grundstimmung wird immer wieder in atmosphärisch dichten Bildern eingefangen und vor allem dank der alten Schauspielergarde wie eines Alan Rickmans als Snape oder einer Maggie Smith als Professor McGonaghal kommt hohes schauspielerisches Niveau auf. Allerdings muss selbst der größte Harry Potter Fan im Laufe des Filmes enttäuscht feststellen, dass Daniel Radcliffe immer noch nicht schauspielern kann und vor allem im finalen Duell mit Voldemort wird dies einfach besonders deutlich. Und genau da leidet auch die filmische Umsetzung,- denn gerade das Duell zwischen Jungzauberer Potter und seinem Erzfeind Voldemort steht der Schlacht um Hogwarts und der Flucht mit dem Drachen aus Gringotts in Sachen Dramatik und Emotion leider nach und kann einfach nicht mithalten. Was auch sicher daran liegt, dass man weiß wie das Buch endet und somit der Schmerz über den vermeintlichen Tod Potters sich ebenfalls in Grenzen hält.

Was ebenfalls etwas verirrt, sind die zahlreichen Auftritte vergangener Figuren. Man spürt das Bemühen des Regisseurs allen Figuren des Buches einen würdigen Abgang zu bieten, aber teilweise sorgt dies für Verwirrung und auch für etwas seltsame Cameoauftritte etwa eines Hagrits, der urplötzlich mitten im Film kurz zu sehen ist und dann wieder ebenso überraschend in den Weiten der Wälder rund um Hogwarts verschwindet. Dennoch zieht HP 7.2 den Zuschauer vor allem in der ersten Hälfte des Filmes gekonnt in seinen Bann und vermag die magische Welt des Buches wunderbar auf die Leinwand transportieren. Visuell besticht dieser Film besonders und vermag jene magischen Momente zu zaubern, die man sich als Fan und Leser der Harry Potter Bücher gewünscht hat. Überhaupt ist es ein Phänomen, dass alle Darsteller vom Anfang bis Ende die Charaktere der Bücher darstellen konnten und somit sind nicht nur die Bücher ein eigenes Universum geworden, sondern auch die Filme konnten hier eine Entwicklung erzählen und der Welt rund um den berühmtesten Zauberlehrling eine filmische Heimat bieten. Der Regisseur der letzten Harry Potter Teile, – David Yates, hat endlich im letzten Film das geschafft, was man sich eigentlich auch bei HP 5 und 6 von ihm erwartet hatte, – großes Kino mit düsteren Bildern, emotionalen Tiefgang und großartigen Effekten, die einem schon den Atem rauben können. In einzelnen Abschnitten kann HP 7. locker mit Herr der Ringe mithalten. Und ähnlich wie die Herr der Ringe Trilogie ist das Ende, – also die letzten Filmminuten von Harry Potter auch ähnlich grandios misslungen. Wie auch beim Ende des Buches spürt man, dass es schwer fällt die lieb gewonnen Personen zu verabschieden und so rettet man sich in letzte Bilder, die einen glücklichen Harry Potter, Hermine und Ron als Familienväter – oder Mütter zeigen. Die Schauspieler wirken dabei schnell für ein Schultheaterstück für Erwachsene verkleidet, – man hat sich auch keine Mühe gegeben die 20 Jahre Altersunterschied zu zeigen und so wirken die letzten Szenen unfreiwillig komisch. Aber so ist es eben – es will niemand wissen was aus den Charakteren und deren klassischer Familienplanungen geworden ist. Aber das ist Kritik auf allerhöchstem Niveau und sollte den tollen Eindruck des letzten Harry Potter Filmes keinesfalls schmälern.

Mit diesem Film ist eine große Reise in die Phantasie zu Ende gegangen – wie auch damals, als das letzte Harry Potter Buch erschienen ist. Über zehn Jahre hat uns diese Figur begleietet und der Abschied fällt schwer – wer da nicht ein paar Tränen vergießt, der ist wohl auch nicht wirklich Teil des Harry Potter Kosmos gewesen.

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Wer ist Hanna ? – Alice im Wunderland mit Blut und Waffen

Es gibt Filme, die vergisst man sofort, wenn man sie gesehen hat und dann gibt es Filme, die zählt man zwar nicht zu den großen Meisterwerken, aber sie bleiben doch lange in Gedanken und Erinnerung haften. So ein Film ist das neueste Werk vom Regisseur Joe Wright, – ein großartig fesselnder Film, der allerdings viele ungelöste Fragen aufwirft, – die man am Besten gar nicht stellen sollte.

Erzählt wird die Geschichte von einem zarten, jungen Mädchen, welches von seinem Vater in den kühlen Weiten der einsamen Wälder Nordfinnlands gnadenlos zu einem Kämpfer gedrillt und ausgebildet wird. Gerade der Gegensatz zwischen der elfenhaften Erscheinung eines blonden Mädchens und der harten Ausbildung inmitten einer menschenfeindlichen Natur zählt zu den ersten und stärksten Eindrücken dieses Films. Der Beginn legt auch die Spur zum Ende und schließt an den Märchencharakter an, der diesem ganzen Film anhaftet.

Der Regisseur Joe Wright hat mit „Stolz & Vorurteil“ eine wunderbar altmodische und bedrückend schön gefilmte Literaturadaption abgelegt, – mit dem Epos „Abbitte“ für große Kinomomente gesorgt und vor allem Keira Knightley zu ihren besten und eindrucksvollsten Rollen verholfen. Er ist ein Regisseur, der sehr gekonnt mit Darstellern umgeht und so ist auch Saoirse Ronan, die man aus Abbitte kennt, bei diesem Film dabei und trägt diesen auch ganz alleine. Wenn Kunst und Literatur auf Action trifft, dann kommt eine sehr eigene und spezielle Mischung heraus und so kann man diesen Film als künstlerisch angehauchten Action-Thriller sehen, der leider seine größten Schwächen in der Geschichte besitzt, allerdings dies visuell so beeindruckend übertaucht, dass man eigentlich darüber auch gar nicht nachdenken möchte.

Was diesen Film trägt, – ist die wunderbare Wahl der Schauplätze und Orte. Kaum ein Film, der so mit den Orten und Landschaften spielt und sie als Teil der Geschichte und des Drehbuchs erscheinen lässt wie dieser Thriller. Beginnend in der kühlen Eiswelt von Finnland, wo die rote Sonne hinter den vielen Seen Tag für Tag verschwindet und ein feengleiches Mädchen mit ihrem Vater in einer mystisch angehauchten Holzhütte lebt, – bis sie ausbricht und sich in den dunklen, düsteren Katakomben wieder findet. Dort bricht sie ebenfalls aus und landet in einer surrealen Wüstenlandschaft, wo sie zum ersten Mal auf Menschen trifft, die es gut mit ihr meinen und ihr ein normales Familienleben, welches sie selbst nie erlebt hat, zeigen. Von der arabischen Wüste geht es in das herunter gekommene Berlin, was gerade Berlin als tollen Schauplatz abseits der Sehenswürdigkeiten und Touristenpfade zeigt. Das Finale schließlich gibt auch das Thema des Films wieder, – denn in einem still gelegten und schon halb zerfallenen Märchen – und Vergnügungspark treffen sich die zwei Hauptfiguren und geben die Einflüsse der Gebrüder Grimm auf diesen Film besonders stark wieder.

Die kontrastreichen Schnitte aus gleißender Helligkeit und mitternachtsblauer Dunkelheit, die ständig sich ändernden Locations, die grau-metallische Struktur der Bunker und die schnellen Actionsequenzen zeichnen diesen Film sehr aus. Das Spiel mit avantgardischen Mitteln und langsamen Nahaufnahmen von Gesichtern wechselst sich ab mit pulsierender Action mit kristallklarer Intension und einer Schnelligkeit, die wie Blut durch diesen Märchenfilm zu fließen scheint. „Wer ist Hanna“ ist ein modern gestalteter Märchenthriller mit brillanten Action Choreographien, die zu den Besten zählen, was man seit langem im Kino gesehen hat und die auch von einem eindringlich, psychodelischen Sound der Chemical Brothers unterlegt werden.

Die Darstellerin des jungen Hit Girls besitzt eine ehrliche Intension, die sie gekonnt auf die Leinwand bringt und diesen Film auch trägt, – Eric Bana ist leider unterfordert und kann sein schauspielerisches Können nur bedingt zeigen wie auch Cate Blanchett, die allerdings ihre Rolle mit einer perfektionistischen Kälte anlegt und ausgestattet hat, dass man sich wünschen würde diese böse Hexe öfters in einem Film zu sehen.

Wer sich auf diesen Drogentrip in Musik und Bildern einlässt, wird ein tolles Filmerlebnis haben, – zu empfehlen an alle Cineasten, die eine Freude mit außergewöhnlichen und surrealen Filmexperimenten haben und sich gerne auch überraschen lassen ohne die Sinnfrage allzu groß zu stellen. Dass der Film nicht vollends als Meisterwerk zündet, liegt vielleicht auch am Fehlen einer finalen Erfüllung. Der Drang, alles zum Guten wenden zu wollen, ist ein trauriges Märchenklischee. Doch manchmal sind Klischees nötig, um besonders in Märchen die Heldin und ihr Gefolge nicht gebrochen zurück zu lassen – und damit den Zuschauer selbst, der an diesen Bilderrausch und an diese Alice im Wunderland mit Waffe und Blut noch lange zurückdenken wird.

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